
6.1 Nachhaltigkeit bei Royal Avebe
Im ESG-Kapitel berichten wir über unsere Ziele, Maßnahmen und Ergebnisse in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung - meist bezeichnet mit dem englischen Kurzbegriff ESG für Environmental, Social und Governance. Royal Avebe beabsichtigt, ab dem Geschäftsjahr 2027/2028 freiwillig gemäß der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu berichten. Diese Richtlinie fördert Transparenz und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsleistungen zwischen Organisationen.
Berichtsgrundlage und Abgrenzung
Das ESG-Kapitel ist Teil des integrierten Geschäftsberichts von Avebe für das Geschäftsjahr 2024/2025 (1. August 2024 bis 31. Juli 2025). Der Bericht umfasst die Aktivitäten der Coöperatie Koninklijke Avebe U.A. und ihrer Tochtergesellschaften, einschließlich relevanter Teile der Wertschöpfungskette, in denen wesentliche Nachhaltigkeitsthemen identifiziert wurden. Die Nachhaltigkeitsinformationen wurden ständig an die kommenden Anforderungen der CSRD und die zugehörigen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) angepasst. Zudem wurden, wo relevant, Elemente der Global Reporting Initiative (GRI)-Standards integriert. Die Berichtgrenzen entsprechen dem finanziellen Konsolidierungskreis von Avebe. Für wesentliche Themen, die Auswirkungen über die eigene Organisation hinaus haben, wurden auch Informationen zu vorgelagerten und nachgelagerten Bereichen der Wertschöpfungskette berücksichtigt. Diese Abgrenzung basiert auf den Ergebnissen der durchgeführten doppelten Wesentlichkeitsanalyse.
Nachhaltigkeit als Fundament unserer Strategie
Nachhaltigkeit bildet das Fundament unserer Strategie Stärken und Beschleunigen. Als Genossenschaft mit starker landwirtschaftlicher Basis und führender Position bei pflanzlichen Inhaltsstoffen sehen wir es als unsere Verantwortung und Chance, zu einer nachhaltigen Zukunft beizutragen. Unsere pflanzlichen Produkte helfen Kunden in der Lebensmittel-, Bau- und Verpackungsindustrie, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Viele unserer Lösungen sind nicht nur biobasiert, sondern auch zirkulär. Wir konzentrieren uns auf die strukturelle Reduzierung unserer eigenen Umweltbelastung, unter anderem durch Senkung des Energieverbrauchs, Begrenzung der Wasserentnahme und zirkuläre Nutzung von Restströmen. Gleichzeitig unterstützen wir unsere Kunden bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele. Auf der Anbauseite investieren wir über unsere Tochtergesellschaft Averis Seeds B.V. in die Entwicklung robuster Kartoffelsorten, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Krankheiten sind und mit weniger Pflanzenschutzmitteln höhere Erträge liefern.
Innerhalb unserer Strategie wurden sieben Nachhaltigkeitsprogramme eingerichtet, die die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Jedes Programm hat klare Ziele und wird von einem Programmmanager geleitet. Diese Programmmanager legen mehrmals im Jahr Rechenschaft gegenüber der Geschäftsleitung ab. Der Fortschritt der Nachhaltigkeitsstrategie wird regelmäßig mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat besprochen, der die Umsetzung überwachen. Mit diesem integrierten Ansatz bauen wir eine zukunftsfähige Genossenschaft auf, die Wert für Mitglieder, Kunden, Mitarbeitende und die Gesellschaft schafft.
Silberne EcoVadis-Bewertung
Avebe hat im Jahr 2025 eine silberne EcoVadis-Bewertung erhalten. Damit gehören wir zu den besten 15 Prozent der bewerteten Unternehmen in unserer Branche. EcoVadis bewertet weltweit Nachhaltigkeitsleistungen in den Bereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und Einkauf. Durch die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden stärkt Avebe die Nachhaltigkeitsleistung in der gesamten Kette. Die silberne Bewertung bestätigt diese Bemühungen und unterstreicht die Bedeutung kontinuierlicher Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen.

6.2 ESG-Governance
ESG ist vollständig in die Governance-Struktur von Avebe integriert. Weitere Informationen finden sich im Kapitel „Corporate Governance“ dieses Jahresberichts.
Projektgruppe ESG-CSRD
Im Geschäftsjahr 2022/2023 haben wir mit einer Projektgruppe das ESG-CSRD-Projekt gestartet. Das Projektteam besteht aus Mitarbeitenden der Abteilungen Finanzen, Interne Revision und Nachhaltigkeit unter der Verantwortung des Chief Financial Officer (CFO). Darüber hinaus sind interne Experten aus verschiedenen Bereichen von Avebe sowie externe Berater beteiligt. Nachfolgend das Organigramm der Projektstruktur:

Als erste wichtige Maßnahme wurde eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse (DMA) durchgeführt, um die wesentlichen ESG-Themen für Avebe festzulegen; siehe hierzu Abschnitt 6.3 Doppelte Wesentlichkeitsanalyse.
Sicherung der notwendigen Nachhaltigkeitskompetenz
Vorstand, Executive Committee und Aufsichtsrat nehmen jährlich an mehreren internen und externen Veranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen teil. Die Programmmanager berichten über wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen in ihren strategischen Programmen. Weitere Themen sind z. B. nachhaltige Landwirtschaft, Energiemanagement, Biodiversität, Abfall, Transport und (zukünftige) Gesetzgebung.
Die Nachhaltigkeitsstrategie ist auch in den Planungs- und Kontrollzyklus von Avebe integriert. Dabei wird monatlich an den Vorstand, die Geschäftsleitung und den Aufsichtsrat über wichtige Leistungsindikatoren im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit berichtet. Zudem wird regelmäßig Wissen aus den strategischen Nachhaltigkeitsprogrammen zu Wasser, Energie, Kreislaufwirtschaft, nachhaltigem Einkauf und nachhaltiger Landwirtschaft geteilt.
Die spezifische Nachhaltigkeitskompetenz sowie Entwicklungen und geltende Vorschriften liegen beim ESG-CSRD-Projektteam und dem Sustainability Office unter Operations. Von dort aus wird regelmäßig an Vorstand und Aufsichtsrat über den Fortschritt der CSRD-Implementierung, ESG-Entwicklungen und Leistungsindikatoren berichtet.
Due-Diligence-Ansatz bei Avebe
Avebe verfolgt einen Due-Diligence-Ansatz, der in unserer Responsible Sourcing Policy (RSP) verankert ist. Obwohl noch kein standardisierter Due-Diligence-Prozess eingerichtet wurde, bildet die RSP eine wichtige Grundlage. Im Einklang mit der CSRD wird dieser Ansatz in den kommenden Jahren weiter gestärkt und ausgebaut. Die Vorgehensweise basiert auf internationalen Normen wie den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. In der Praxis wird zudem eine Anbindung an die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen gesucht, wodurch Avebe den internationalen Erwartungen an verantwortungsvolles Handeln in der Lieferkette entspricht. Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick darüber, wie Avebe die fünf Kernelemente der Due Diligence umsetzt:
| Kernelemente der Due Diligence | Ansatz von Avebe und Verweise |
|---|---|
| Verankerung der Due Diligence in Governance, Strategie und Geschäftsmodell | Avebe verfügt derzeit über keinen standardisierten Due-Diligence-Prozess. Der aktuelle Ansatz ist in unserem RSP verankert und in unsere Governance-Struktur integriert. |
| Einbeziehung der Stakeholder in alle wichtigen Schritte des Due-Diligence-Prozesses | Unser Ansatz zur Einbindung von Stakeholdern wird in Schritt 2 des DMA-Prozesses und in Anhang 3 erläutert. |
| Identifizierung und Bewertung (potenzieller) negativer Auswirkungen | Risiken in Bezug auf Menschenrechte, Umwelt und Ethik in unseren Lieferketten identifizieren wir über unseren DMA-Prozess. |
| Maßnahmen ergreifen und Prozesse beschreiben, um diese negativen Auswirkungen zu bewältigen | Wir stellen klare Anforderungen an unsere Lieferanten, die verpflichtet sind, die Prinzipien unseres RSP einzuhalten, und überwachen die Einhaltung durch Lieferantenbewertungen und vertragliche Vereinbarungen. Weitere Maßnahmen sind unter den wesentliche Themen beschrieben. |
| Überwachung und Kommunikation der Wirksamkeit dieser Bemühungen | Wir bieten Nachverfolgungsmechanismen wie unsere SpeakUp- und Hinweisgebersysteme zur Meldung von Missständen. Darüber hinaus evaluieren und aktualisieren wir unseren Ansatz regelmäßig auf Basis neuer Gesetzgebung, Stakeholder-Dialoge und Entwicklungen in der Lieferkette |
ESG-Risiken und interne Kontrolle
Risikomanagement ist ein integraler Bestandteil der Unternehmensführung bei Avebe. ESG-bezogene Risiken sind derzeit noch nicht explizit im formellen Risikomanagementprozess oder im Risikoteil dieses Berichts enthalten. Sie werden jedoch systematisch über die strategischen Nachhaltigkeitsprogramme identifiziert und überwacht. Diese Programme berichten über wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen, die auf Leitungsebene erörtert werden. Themen wie Klimawandel, Wasserverfügbarkeit, Rohstoffsicherheit und Gesetzesänderungen werden dabei berücksichtigt.
ESG-Risiken fließen auch indirekt in Entscheidungen zu Investitionen, Compliance, Genehmigungen und strategischer Planung ein. Wir prüfen, wie ESG-Risiken künftig strukturell in unser umfassenderes Risikomanagementsystem integriert werden können, gemäß den CSRD-Anforderungen.

6.3 Doppelte Wesentlichkeitsanalyse
Regelmäßig führen wir eine Wesentlichkeitsanalyse durch, um festzustellen, welche Themen für unsere Stakeholder besonders relevant sind. Diese Analyse hilft Avebe dabei festzulegen, welche Nachhaltigkeitsthemen sowohl strategisch als auch operativ Priorität haben sollten und bildet die Grundlage für unsere zukünftige CSRD-Berichterstattung. Nach den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) wird dabei ausschließlich die externe Wirkung - der Einfluss von Avebe auf ihre Umgebung - zur Bestimmung der wesentlichen Themen berücksichtigt. Um uns gut auf die Anforderungen der CSRD vorzubereiten, haben wir im Geschäftsjahr 2023/2024 eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt.
Doppelte Wesentlichkeit
Eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse legt fest, welche Nachhaltigkeitsthemen für eine Organisation am wichtigsten sind. Wie der Name schon sagt, wird diese Analyse aus zwei Perspektiven durchgeführt. Zum einen erfolgt eine Analyse der externen Auswirkungen, bei der der Einfluss von Avebe auf ihre Umgebung (Menschen und Umwelt) in Bezug auf ein bestimmtes Thema, wie z. B. CO₂-Emissionen, bewertet wird. Diese Auswirkungen können durch Avebe in ihrer eigenen Geschäftstätigkeit verursacht werden, aber Avebe kann auch mit den Auswirkungen verbunden sein. In diesem Fall treten die Auswirkungen in der Wertschöpfungskette der Organisation auf. Zum anderen erfolgt eine Analyse der internen Auswirkungen. Dabei werden die finanziellen Folgen für Avebe betrachtet, die mit einem Thema wie Kosten, Risiken oder Reputation verbunden sind. Auf diese Weise wird ein Nachhaltigkeitsthema aus zwei Perspektiven bewertet. Je höher die Bewertung, desto wichtiger ist dieses Thema für unsere Genossenschaft.
Prozess
Die Schritte, die Avebe durchlaufen hat, um die wesentlichen Themen zu ermitteln, sind nachfolgend visuell dargestellt:

Schritt 1: Kontextverständnis und Themenliste
Für unsere Wesentlichkeitsanalyse haben wir das Umfeld von Avebe erfasst. Dies umfasst unter anderem das Verständnis unserer Wertschöpfungskette, unseres Wertschöpfungsmodells sowie die Identifizierung der Stakeholder. Unsere wichtigsten Stakeholder sind: unsere Mitglieder, Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten, Kreditinstitute und Regulierungsbehörden. Weitere Stakeholder, mit denen wir aktiv den Dialog und die Zusammenarbeit suchen, sind unter anderem Forschungseinrichtungen, gesellschaftliche Organisationen, NGOs, Anwohner unserer Produktionsstandorte sowie Branchenverbände wie VNCI und BO Akkerbau. Darüber hinaus berücksichtigen wir andere Stakeholder, deren Interessen durch die Aktivitäten von Avebe und ihre direkten und indirekten Geschäftsbeziehungen innerhalb der Wertschöpfungskette beeinflusst werden können.
Anschließend haben wir eine Liste potenzieller wesentlicher Themen (Longlist) erstellt. Durch eine interne Analyse haben wir die Longlist bewertet und angepasst – basierend auf der neuen Strategie „Stärken und Beschleunigen 2023–2028“ sowie Gesprächen mit den Programmmanagern der Nachhaltigkeitsprogramme. Die externe Analyse haben wir auf Grundlage einer Desktop-Recherche durchgeführt. Dabei haben wir bekannte und verfügbare Quellen konsultiert, darunter (Entwurfs-)Standards und Richtlinien. Zudem haben wir öffentlich zugängliche Informationen von Lieferanten und Mitbewerbern bewertet, wobei die Unternehmensgröße, die Art der Unternehmen und der Reifegrad in Bezug auf Nachhaltigkeit berücksichtigt wurden. Das Ergebnis dieser Analysen war eine Liste potenzieller wesentlicher Themen für Avebe.
Schritt 2: Stakeholderdialog und Priorisierung
In zwei ausführlichen Workshops - einer mit Fokus auf Umweltthemen und der andere auf soziale und Governance-bezogene Aspekte - haben wir gemeinsam mit internen Experten und externen Beratern die potenziellen internen und externen Auswirkungen der wesentlichen Themen bewertet. Bei der Identifizierung der Auswirkungen haben wir sowohl die direkte Wirkung von Avebe als auch die indirekten Auswirkungen aus unserer Wertschöpfungskette berücksichtigt. Zudem haben wir die Schwere der Effekte bewertet und diskutiert, unter Berücksichtigung ihrer Reichweite, ihres Umfangs und ihrer Unumkehrbarkeit. Finanzielle Risiken und Chancen wurden anhand der Eintrittswahrscheinlichkeit und ihrer potenziellen finanziellen Auswirkungen auf Avebe beurteilt. Die potenziellen finanziellen Auswirkungen haben wir ermittelt, indem wir die Größe möglicher finanzieller Gewinne oder Verluste betrachtet haben. Dies messen wir, indem wir die Veränderung der für Avebe verfügbaren Ressourcen (natürlich, sozial und wirtschaftlich) erfassen. Anschließend haben wir die Themen sowohl hinsichtlich der Impact-Materialität als auch der finanziellen Materialität priorisiert. In den Diskussionen haben wir die aktuellen und potenziellen Folgen für das kommende Jahr sowie für die nächsten fünf Jahre und darüber hinaus berücksichtigt. Die daraus resultierenden Bewertungen und Priorisierungen wurden vom Projektteam dokumentiert. Auf dieser Grundlage wurde eine kürzere Liste mit wesentlichen Themen als Entwurf (Shortlist) erstellt.
Schritt 3: Validierung der Ergebnisse
Die Ergebnisse aus den Workshops wurden anschließend im gesellschaftlichen Beirat (MAR) präsentiert und diskutiert. Im MAR sitzen Vertreter wichtiger Stakeholder-Gruppen. Über den MAR gewinnen wir Einblicke von interessierten Stakeholdern, um neue Erkenntnisse zu erhalten oder Ideen zu prüfen. An dieser Sitzung nahm eine vielfältige Gruppe externer Stakeholder teil (Regierung, NGOs, Universität, Wirtschaft, Landwirte), aber auch interne Stakeholder, beispielsweise aus dem Vorstand und dem Aufsichtsrat. Die endgültige Bewertung und die Ergebnisse wurden auf Grundlage der Beiträge des Projektteams, der Workshopsitzungen, der Diskussionen mit dem MAR und weiterer Arbeiten festgelegt. Die Ergebnisse wurden anschließend zur Validierung der Geschäftsleitung, dem Prüfungsausschuss und dem Aufsichtsrat vorgelegt und damit endgültig bestätigt.
Aktualisierung der wesentlichen Themen
Im Berichtsjahr 2024/2025 wurde keine neue doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt. Allerdings wurde auf Grundlage inhaltlicher Zusammenhänge und strategischer Abstimmung entschieden, die Themen Wasserentnahmen und Wasserverschmutzung zu einem integrierten Thema zusammenzuführen: Wasserentnahmen. Diese Entscheidung wurde getroffen, weil beide Themen eng miteinander verbunden sind. Um eine weitere Reduzierung der Wasserentnahme zu erreichen, ist es notwendig, auch den Einsatz von Hilfsstoffen wie Chemikalien zu verringern. Durch diese Integration entsteht ein ganzheitlicherer Ansatz für das Wassermanagement innerhalb von Avebe, der besser zu unseren strategischen Nachhaltigkeitszielen und der operativen Realität passt.
Übersicht der wesentlichen Themen
Im Folgenden wird eine Übersicht der Ergebnisse aus der doppelten Wesentlichkeitsanalyse dargestellt. Die verschiedenen Themen erläutern wir anschließend näher. Gemeinsam mit unseren Stakeholdern überwachen und validieren wir weiterhin die wesentlichen Themen. Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse wird regelmäßig überprüft, um auf veränderte Rahmenbedingungen, Erwartungen der Stakeholder und gesetzliche Vorgaben zu reagieren. Auch die Ausarbeitung der wesentlichen Themen sowie die Aktionspläne werden überwacht und bei Bedarf angepasst.

6.4 Wesentliche Themen
| Thema & Wertschöpfungskette | Auswirkungen | Risiko/Chance |
|---|---|---|
| Begrenzung des Klimawandels Eigene Aktivitäten, vorgelagerte und nachgelagerte Kette |
Die Herstellung von (modifizierter) Stärke und Eiweiß erfordert Energie und führt somit zu CO₂-Emissionen. Darüber hinaus entstehen in der Wertschöpfungskette, unter anderem durch den Anbau von Stärkekartoffeln, weitere CO₂-Emissionen. Diese Auswirkungen tragen zum Klimawandel bei. | Klimabezogene Vorschriften und strengere Emissionsnormen in Produktion und Landwirtschaft können zu höheren Kosten führen, unter anderem durch den verpflichtenden Kauf von CO₂-Rechten. |
| Energiemanagement Eigene Aktivitäten |
Durch unseren hohen Energieverbrauch und die daraus resultierenden CO₂-Emissionen haben wir einen negativen Einfluss auf die Umwelt und den Klimawandel. | Klimabezogene Änderungen in Gesetzen und Vorschriften können zu höheren Energiekosten und Hindernissen bei der Genehmigung zukünftiger Investitionen führen. Zudem stellt Netzüberlastung ein Risiko für die langfristige Verfügbarkeit von Strom dar. |
| Rohstoffsicherheit Vorgelagerte Kette, eigene Aktivitäten |
Der Anbau von Stärkekartoffeln wirkt sich unter anderem auf Klima, Wasser und Boden aus. | Unsere Mitglieder sehen sich mit strengeren Vorschriften, Klimawandel, hohen Anbaukosten und Konkurrenz durch andere Kulturen konfrontiert. Diese Faktoren bergen Risiken für die kurz- und langfristige Verfügbarkeit von Rohstoffen, mit der Gefahr, dass die Ertragskraft der Mitglieder unter Druck gerät. |
| Wasserentnahmen Eigene Aktivitäten |
Für unsere Produktionsprozesse entnehmen wir große Mengen (Oberflächen-)Wasser, das nach der Nutzung als gereinigtes Abwasser wieder in Oberflächengewässer eingeleitet wird. | Durch veränderte Wetterbedingungen und anhaltende Trockenheit besteht das Risiko, dass wir nicht genügend Wasser für unsere Produktion entnehmen können. |
| Zirkuläre Restströme Eigene Aktivitäten |
Thema nicht wesentlich in Bezug auf Auswirkungen | Klärschlamm ist ein Reststrom mit negativem wirtschaftlichem Wert für Avebe. Tara ist ein Abfallstrom, für den es schwierig ist, eine wertvolle Verwendung zu finden. Durch eine potenziell zirkuläre Nutzung dieser Restströme und die Senkung der Verarbeitungskosten ergibt sich eine finanzielle Chance für Avebe. |
| Pflanzliche Produkte für den Industriemarkt Eigene Aktivitäten |
Thema nicht wesentlich in Bezug auf Auswirkungen | Innovation und Wachstum im Bereich nachhaltiger Inhaltsstoffe für industrielle Anwendungen bieten eine finanzielle Chance für Avebe. |
| Sicheres Arbeiten Eigene Aktivitäten |
Unfälle, die sich ereignen, haben negative Auswirkungen auf die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden. | Ein Mangel an sicherem Arbeiten kann zu Produktionsstillstand, Sanktionen, rechtlicher Haftung und Reputationsverlust führen. Dies kann das Vertrauen in Avebe und ihre Produkte beeinträchtigen und sich negativ auf unsere Einnahmen auswirken. |
| Attraktiver Arbeitgeber Eigene Aktivitäten |
Als Arbeitgeber haben wir großen Einfluss auf unsere Mitarbeitenden. Unser Einfluss konzentriert sich auf die Schaffung eines inklusiven Arbeitsumfelds und die Förderung der Entwicklung unserer Mitarbeitenden. | Unzureichende Aufmerksamkeit für Mitarbeitende kann zu einem Verlust der Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt und zu einer ineffizienten Organisation führen, was ein finanzielles Risiko für Avebe darstellt. |
| Lebensmittelsicherheit Nachgelagerte Kette |
Probleme mit der Lebensmittelsicherheit können negative Folgen für unsere Kunden und die Umwelt haben. Wenn Qualitätsstandards nicht eingehalten werden, können Gesundheitsrisiken für Verbraucher entstehen. | Thema nicht finanziell wesentlich |
| Pflanzliche Ernährung Eigene Aktivitäten und nachgelagerte Kette |
Wir sind stolz auf unsere Rolle bei der Förderung gesünderer, nachhaltigerer und pflanzlicher Ernährung und den positiven Einfluss, den wir damit auf Verbraucher haben. | Mit Kartoffelstärke und -protein können wir einzigartige Eigenschaften bieten und unseren Kunden helfen, ihre Ziele zu erreichen, indem sie nachhaltige und pflanzliche Produkte für Verbraucher anbieten. Dies bietet eine finanzielle Chance für Avebe, ihre Position und Märkte weiter auszubauen. |
| Unternehmensethik Eigene Kette, vorgelagerte und nachgelagerte Kette |
Avebe steht für eine faire und transparente Unternehmensführung. Das bedeutet, dass wir sorgfältig mit den Interessen und Rechten von Mitarbeitenden, Lieferanten, Mitgliedern, Kunden und unserer Umwelt umgehen. | Ein damit verbundenes Risiko besteht darin, dass Avebe nicht als ein Unternehmen wahrgenommen wird, das für eine faire und transparente Unternehmensführung steht. |
6.4.1 Begrenzung des Klimawandels
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Der Klimawandel, mit Fokus auf CO₂-Reduktion, betrifft sowohl unsere eigenen Aktivitäten als auch unsere Wertschöpfungskette. Die Herstellung (modifizierter) Stärke und Proteine erfordert Energie und führt somit zu CO₂-Emissionen - sowohl direkte als auch indirekte. Die wichtigsten Risiken sind klimabezogene Änderungen in der Gesetzgebung sowie Vorschriften zur Reduzierung von Emissionen in Produktions- und Landwirtschaftsaktivitäten. Auch entstehen erhebliche Kosten durch CO₂-Ausstoß, etwa durch den Erwerb von Emissionsrechten. Durch Energieeinsparung und den (kosteneffizienten) Umstieg auf erneuerbare Energiequellen können wir die CO₂-Emissionen senken.
Strategie
In unserer Strategie Stärken und Beschleunigen sind unsere Nachhaltigkeitsziele für 2030 festgelegt, da dieses Jahr ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050 ist. Avebe strebt an, die CO₂-Reduktionsziele im Einklang mit einer maximalen Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius zu erreichen - gemäß dem Pariser Klimaabkommen. Für den Zeitraum 2023-2030 streben wir eine CO₂-Reduktion von 30 Prozent an, wobei das Geschäftsjahr 2022/2023 als Referenz dient. Dieses Ziel betrifft Scope 1 Emissionen: direkte Treibhausgasemissionen aus unserer eigenen Geschäftstätigkeit. Die Scope 2 Emissionen (indirekte Emissionen durch den Verbrauch von eingekaufter Elektrizität und Wärme) von Avebe liegen bereits bei null, und das Ziel für 2030 ist, dies beizubehalten. Unsere Scope 1 und Scope 2 Emissionen (basierend auf marktbezogener Scope-2-Berechnung) setzen sich wie folgt zusammen: 99 Prozent der Emissionen entstehen durch die Verbrennung von Erdgas. Davon entfallen 57 Prozent auf die Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, 36 Prozent auf die Dampferzeugung für Produktionsprozesse und 6 Prozent auf direkt beheizte Trockner und Heizungsanlagen.
Für unsere Scope 3 Emissionen (indirekte CO₂-Emissionen durch Aktivitäten Dritter) streben wir ebenfalls eine Reduktion von 30 Prozent gegenüber dem Referenzjahr an. Durch die Scope-Differenzierung schließen wir uns der Methodik an, mit der Regierungen ihre Ziele zur Treibhausgasreduktion formulieren. Scope 3 Emissionen umfassen unter anderem die indirekten Emissionen aus dem Einkauf von Rohstoffen, Transport und Verpackungsmaterialien. Diese Kategorien machen einen erheblichen Teil unseres gesamten CO₂-Fußabdrucks aus. In unserer Strategie haben wir das CO₂- und Energieeinsparungsprogramm „Towards climate neutral“ aufgenommen, wobei Scope 3 im Programm „Sustainable procurement“ berücksichtigt wird.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Im Rahmen des strategischen Programms wurde ein konkreter Plan zur Erreichung der Reduktionsziele für Scope-1- (und 2-)Emissionen erstellt. Dieser Plan besteht aus zwei Teilen: 30 Prozent Reduktion bis 2030 mit einem zugrunde liegenden Maßnahmen- und Investitionsplan.
Elektrifizierung und Prozessoptimierung
Ein Beispiel ist die geplante Investition in einen elektrischen Dampfkessel an unserem Produktionsstandort in Foxhol im Jahr 2025, die zu einer CO₂-Einsparung im Geschäftsjahr 2025/2026 führen wird. Darüber hinaus suchen wir nach weiteren Verbesserungen in unseren Prozessen und Aktivitäten, um die Effizienz und Effektivität unserer Produktion zu steigern. Damit sparen wir jährlich etwa 1,5 Prozent Energie (und entsprechend CO₂). Für das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 haben wir Optionen für eine vollständig CO₂-neutrale Produktion bei Avebe identifiziert. Erste Schritte in Richtung Elektrifizierung wurden durch die Implementierung von Membrantechnologie und elektrischen Dampfkesseln unternommen. Weitere Elektrifizierungsmaßnahmen sind geplant.
Netzkapazität und erneuerbare Energie
Netzengpässe stellen ein potenzielles Hindernis für die weitere Elektrifizierung und den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung dar. Derzeit sind bereits zwei Solarparks an Avebe-Standorten über das Stromnetz von Avebe angeschlossen. Wir prüfen weitere Möglichkeiten zur Anbindung lokaler erneuerbarer Stromerzeugung.
Nachhaltigkeit in der Lieferkette
Für unsere Scope 3 Emissionen haben wir bereits die wichtigsten Kategorien identifiziert. Daher haben wir mehrere Projekte gestartet, darunter Initiativen im Bereich Chemikalien, Transport und Verpackungsmaterialien. Auch bei Ausschreibungen mit Lieferanten berücksichtigen wir Einsparpotenziale. In immer mehr Einkaufsprozessen gelten Mindestanforderungen an Nachhaltigkeit, und Nachhaltigkeit wird systematisch in Auswahl- und Vertragsprozesse einbezogen. Im kommenden Jahr setzen wir die laufenden Projekte fort und suchen weiterhin nach strukturellen Verbesserungen in unserer Lieferkette.
Ziele und Umsetzung
Bis 2030 wurden folgende Ziele festgelegt: eine CO₂-Reduktionszielsetzung von 30 Prozent für Scope 1 und Scope 3 sowie eine Scope 2-Emission von 0.
Im Geschäftsjahr 2024/2025 betrug die Scope 1 CO₂-Emission 160 Kilotonnen bzw. 0,195 Tonnen CO₂ pro Tonne Produkt. Die Scope 2 Emissionen lagen bei 0. Dies betrifft die CO₂-Emissionen (Scope 1 und 2), bereinigt um die Produktion für Dritte (andere Unternehmen am Standort). Der Emissionsfaktor für Herkunftsnachweise (GvOs) für grünen Strom wurde auf null gesetzt. Die gesamte Scope 1 CO₂-Emission liegt im Einklang mit dem Vorjahr und ist 19 Prozent niedriger als im Referenzjahr 2022/2023. Die Scope 1 CO₂-Emission pro Tonne Produkt war 3,1 Prozent niedriger als im Vorjahr und 7,1 Prozent niedriger als im Referenzjahr. Ein wesentlicher Teil dieser Reduktion ist auf die längere Kampagne in Ter Apelkanaal und den Austausch der Fruchtwasserdekanter in Gasselternijveen zurückzuführen.
Siehe die Übersicht der Emissionen von Scope 1 und Scope 2 unten für weitere Details.
| Übersicht Scope 1 und Scope 2 Emissionen | Einheit | 2022/2023 (Ref) | 2023/2024 | 2024/2025 | Aktuelle Einsparung (%) | Ziel für 2030 Einsparung (%) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Scope 1 Emissionen | ||||||
| Brutto Scope 1 Emissionen (Avebe) | Tonnen | 197.329 | 160.397 | 159.675 | 19,1 | 30 |
| Brutto Scope 1 Emissionen pro Tonne Produkt | kg CO₂/Tonne | 210 | 201 | 195 | 7,1 | 30 |
| Brutto Scope 1 Emissionen durch Dritte | Tonnen | 8.580 | 10.011 | 11.181 | - | - |
| Scope 1 Emissionen unter dem ETS | % | 87% | 85% | 85% | - | - |
| Scope 2 Emissionen | ||||||
| Standortbasierte Scope 2 Emissionen | Tonnen | 26.755 | 27.533 | 23.668 | - | - |
| Marktbasierte Scope 2 Emissionen | Tonnen | 0 | 0 | 0 | - | - |
| Gesamte Scope 1 und Scope 2 Emissionen | ||||||
| Scope 1 und Scope 2 Emissionen (standortbasiert) | Tonnen | 224.084 | 187.930 | 183.343 | - | - |
| Scope 1 und Scope 2 Emissionen (marktbasiert) | Tonnen | 197.329 | 160.397 | 159.675 | 19,1 | 30 |
6.4.2 Energiemanagement
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Energiemanagement bei Avebe umfasst die Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit und den Verbrauch von Energie. Zu hohe Energiekosten machen uns verwundbar, da wir einen hohen Energieverbrauch haben. Dieser hohe Verbrauch und die daraus resultierenden CO₂-Emissionen wirken sich negativ auf die Umwelt und den Klimawandel aus. Ein wesentliches Risiko sind klimabezogene Änderungen in Gesetzen und Vorschriften, die zu steigenden Energiekosten führen können. Auch kann es zu Problemen bei der Genehmigung zukünftiger Investitionen kommen. Netzengpässe stellen ein Risiko für die zukünftige Verfügbarkeit von Elektrizität dar, insbesondere wenn unsere Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen im Zuge der Energiewende auslaufen.
Strategie
Energiemanagement steht in engem Zusammenhang mit dem Thema Klimawandel (siehe Abschnitt „Begrenzung des Klimawandels“). Für den strategischen Zeitraum 2023-2028 haben wir Nachhaltigkeitsziele für 2030 formuliert, da dieses Jahr ein wichtiger Meilenstein für uns ist. Neben der CO₂-Reduktion streben wir an, den Energieverbrauch an jedem Produktionsstandort jährlich um mindestens 1,5 Prozent zu senken. In unserer Strategie ist das CO₂- und Energieeinsparungsprogramm „Towards climate neutral“ verankert.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Datenbasierte Überwachung
Die Verbesserung der Energieeffizienz ist Bestandteil des strategischen Programms. Grundlage hierfür ist die Erweiterung von Inline-Energiemessungen und lokalen Energie-Dashboards zur Überwachung des Energieverbrauchs.
Investitionen in Effizienz
Im mehrjährigen Investitionsplan sind mehrere Maßnahmen zur Energieeinsparung vorgesehen. In Bezug auf die Verfügbarkeit ausreichender Elektrizität und die Problematik der Netzengpässe prüfen wir Möglichkeiten zur weiteren Anbindung lokaler erneuerbarer Stromerzeugung an das Stromnetz von Avebe.
Ziele und Umsetzung
In Richtung 2030 wurde folgendes Ziel festgelegt: jährlich 1,5 Prozent beim Energieverbrauch einsparen.
Im Geschäftsjahr 2024/2025 betrug der gesamte Energieverbrauch 729.311 MWh. Dies ist 23,3 Prozent weniger als im Referenzjahr 2022/2023. Der Energieverbrauch pro Tonne Produkt war 6,4 Prozent niedriger als im Vorjahr und 7,5 Prozent niedriger als im Referenzjahr. Damit wurden unsere strategischen Ziele bisher deutlich erreicht.
Siehe die Übersicht zum Energieverbrauch und zur Energiemischung unten für weitere Details.
| Übersicht Energieverbrauch und Energiemix | Einheit | 2022/2023 (Ref) | 2023/2024 | 2024/2025 |
|---|---|---|---|---|
| Gesamtenergieverbrauch Eigenproduktion | MWh | 905.678 | 758.372 | 729.311 |
| Energieverbrauch aus fossilen Quellen (nicht erneuerbar) | ||||
| Brennstoffverbrauch aus Öl | MWh | 10.500 | - | 4.728 |
| Brennstoffverbrauch aus Erdgas | MWh | 1.005.179 | 842.836 | 838.302 |
| Verbrauch von zugekauftem Strom | MWh | 112.489 | 110.165 | 107.492 |
| An das Netz und an Kunden gelieferte Elektrizität und Wärme | MWh | 105.126 | 91.349 | 112.333 |
| Energieverbrauch aus erneuerbaren Energien | ||||
| Brennstoffverbrauch aus erneuerbaren Quellen | MWh | 5.000 | 2.001 | - |
| Verbrauch von zugekaufter oder bezogener Elektrizität, Wärme, Dampf, Kühlung | MWh | 124.800 | 104.778 | 97.721 |
| Verbrauch von selbst erzeugter erneuerbarer Energie | MWh | 46 | 42 | 47 |
| Gesamtenergieverbrauch | ||||
| Energieverbrauch aus nicht erneuerbaren Energien | % | 86% | 86% | 87% |
| Energieverbrauch aus erneuerbaren Energien | % | 14% | 14% | 13% |
| Elektrizität aus erneuerbaren Energien | % | 44% | 42% | 40% |
6.4.3 Versorgungssicherheit mit Rohstoffen
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Unsere Mitglieder stehen vor zunehmenden Herausforderungen beim Anbau von Stärkekartoffeln. Klimawandel, strengere gesetzliche Vorschriften, steigende Anbaukosten und Konkurrenz um Ackerflächen setzen die Rohstoffversorgung unter Druck. Avebe benötigt frühzeitige Einblicke in mögliche Veränderungen der Rohstoffzufuhr, um mit einer guten Auszahlung für Mitglieder, robusten Kartoffelsorten und einer aktiven Rolle in Richtung nachhaltiger Stärkekartoffelproduktion gezielt steuern zu können. Unzureichende Maßnahmen bergen das Risiko, dass der Anbau an Attraktivität verliert. Ein geringeres Volumen an Stärkekartoffeln hat auch finanzielle Auswirkungen, da es unter anderem die Auslastung unserer Fabriken und mögliche Verkaufsvolumina beeinflusst.
Gleichzeitig hat Avebe über ihre Mitglieder auch Einfluss auf die Umwelt. Daher setzen wir aktiv auf die nachhaltige Gestaltung des Anbaus, unter anderem durch robuste Sorten aus unserem Züchtungsunternehmen Averis und durch Wissensaustausch.
Strategie
Avebe überwacht kontinuierlich die Entwicklung der Anbaufläche für Stärkekartoffeln auf kurzfristiger, mittelfristiger und langfristiger Ebene. Auf dieser Basis reagieren wir mit unserer Wertschöpfungsstrategie auf Marktveränderungen. Unser Ziel ist es, die finanzielle Attraktivität des Anbaus schnell und deutlich zu verbessern und die Anbaufläche auf einem für die Genossenschaft gesunden Niveau zu halten.
Wir arbeiten aktiv mit Mitgliedern und Partnern entlang der Wertschöpfungskette an einem rentablen und nachhaltigen Stärkekartoffelanbau. Dabei geht es um Ertrag und Rendite in einem nachhaltigen Anbauplan. Wir achten auf gesunde Böden, begrenzen die Auswirkungen auf Natur und Umwelt und fördern möglichst viele positive Effekte.
Ein starker Leistungsindikator mit einer guten Auszahlung an unsere Mitglieder ist entscheidend, um den Anbau attraktiv zu halten - insbesondere angesichts steigender Kosten und zunehmender Konkurrenz um Ackerflächen. Deshalb setzen wir auf robuste Kartoffelsorten, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Krankheitsdruck sind, weniger Pflanzenschutzmittel benötigen und einen höheren Ertrag pro Hektar liefern. Diese Sorten werden über unser Züchtungsunternehmen Averis entwickelt und vermarktet.
Wichtige strategische Ziele sind:
- Sicherstellung des strategischen Stärke-Einkaufsvolumens/der Stärkeflächen;
- Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks beim Anbau durch unsere Landwirte;
- Intensivierung der Unterstützung für neue Sorten.
Mit diesem kombinierten Fokus auf Ertrag, Robustheit und Nachhaltigkeit stärken wir die Grundlage für eine stabile und zukunftsfähige Rohstoffversorgung.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Züchtung und logistische Absicherung
Avebe setzt auf die Verbesserung der Krankheitsresistenz bei Averis-Sorten und die Entwicklung sowie Förderung robuster Sorten mit geringerer Klimaauswirkung, beispielsweise durch einen geringeren Stickstoffbedarf. Darüber hinaus investieren wir weiterhin in unsere Betriebsstruktur mit organisiertem Transport und stärken unser Image als zuverlässiger Verarbeiter von Kartoffelstärke.
Wissensaustausch und Anbauunterstützung
Wir fördern aktiv den Austausch von Wissen und Erfahrungen zu Themen wie Klima, Boden, Wasser, Pflanzenschutz und Unkrautbekämpfung. Wir unterstützen unsere Mitglieder proaktiv bei der Bewältigung von Anbauherausforderungen und wollen als Genossenschaft einen wertvollen Beitrag leisten. Das Pilotprojekt „Biodiversitätsmonitor“ (siehe Erläuterung im Kasten) trägt zu einem zukunftsfähigen Anbau bei. Durch die Bereitstellung von Einblicken in Nachhaltigkeitsindikatoren auf Betriebsebene stärken wir den gesellschaftlichen Wert der Genossenschaft und bauen an einer breiteren Legitimation des Stärkekartoffelanbaus.
Ziele und Umsetzung
Zur Überwachung unserer strategischen Ziele und zur gezielten Reaktion auf Risiken im Zusammenhang mit der Versorgungssicherheit wurden folgende Ziele festgelegt:
- Steigerung des Leistungsindikators um 25 Euro bis zum Geschäftsjahr 2027/2028;
- 32 Prozent der Mitgliederfläche mit neuen Averis-Sorten im Geschäftsjahr 2027/2028. Dieses Ziel wurde aktualisiert und als KPI in die Finanzierungsvereinbarung aufgenommen;
- 50 aktive Teilnehmer am Pilotprojekt „Biodiversitätsmonitor“ im Jahr 2027/2028.
Im vergangenen Jahr lag der Leistungsindikator bei 136,79 Euro - ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem Vorjahr und ein wichtiger Impuls für die weitere strategische Entwicklung.
Im Anbaujahr 2024 beträgt der Anteil neuer Averis-Sorten innerhalb der Mitgliederfläche 30 Prozent. Damit sind wir auf einem guten Weg zur Zielerreichung für diesen strategischen Zeitraum.
Derzeit nehmen 35 Mitglieder aktiv am Biodiversitätsmonitor teil.
Pilotprojekt Biodiversitätsmonitor
In Drenthe nehmen derzeit 35 Landwirte am Pilotprojekt „Biodiversitätsmonitor“ teil. Innerhalb dieses Projekts wird mit einem Bewertungsmodell gearbeitet, das Einblicke in fünf Themenbereiche bietet: Humusbilanz, Umweltbelastung, Bodenbedeckung, Kulturpflanzenvielfalt und Natur- und Landschaftspflege. Die teilnehmenden Landwirte machen mit, um mehr über nachhaltigere Anbaumethoden zu erfahren. Langfristig kann die Teilnahme zu einer besseren Position in der Bilanz beitragen, da Nachhaltigkeitsbemühungen sichtbar und messbar gemacht werden.
6.4.4 Wasserentnahme
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Avebe entnimmt Wasser für ihre Produktionsprozesse an verschiedenen Standorten, hauptsächlich Oberflächenwasser. In unseren Prozessen dient Wasser stets als Lösungsmittel oder Transportmedium für Materialien. Nach der Nutzung wird das Wasser als gereinigtes Abwasser wieder in das Oberflächengewässer eingeleitet. Das Risiko eines regionalen Wassermangels und die Auswirkungen für Avebe liegen vor allem in der benötigten Wasserentnahme für unsere Produktionsprozesse.
Periodische Wasserknappheit und gesellschaftliche Bedenken hinsichtlich der Qualität des verfügbaren Wassers führen dazu, dass die Reduzierung der Wasserentnahme zunehmend in den Fokus rückt. Die vergangene Strategieperiode hat gezeigt, dass eine Verringerung der Wasserentnahme ohne Berücksichtigung anderer Prozesse zu höheren Salzkonzentrationen - insbesondere Chloride und Sulfate - im gereinigten Abwasser führt. Eine Reduzierung der Wasserentnahme ist nur möglich, wenn auch die Salzemission proportional gesenkt wird. Das bedeutet, dass wir unsere (Protein-)Reinigung und Stärkemodifikation neu betrachten müssen. Das größte Risiko und die größte Auswirkung liegen in der erforderlichen Wasseraufnahme.
Strategie
Um die Auswirkungen unserer Aktivitäten zu verringern, haben wir bereits seit Jahren Ziele zur Reduzierung unserer Wasserentnahme formuliert. Etwa 90 Prozent des von Avebe entnommenen Wassers ist Oberflächenwasser. Der Aqueduct Water Atlas des World Resources Institute liefert Informationen über wasserbezogene Risiken pro Standort. Für die Produktionsstandorte von Avebe gilt ein niedriges Risiko („low“), mit Ausnahme des Standorts in Malmö, der als „low-medium“ eingestuft ist. Weitere Risiken im Zusammenhang mit Oberflächenwasser betreffen Schwankungen in der Verfügbarkeit und Trockenheit. Diese Risiken sind für alle sechs Produktionsstandorte gleich und wurden mit „low-medium“ bzw. „medium“ bewertet.
Die Verfügbarkeit von Wasser stellt ein reales und strukturelles Risiko dar. Dieses Risiko kann durch eine geringere Abhängigkeit von der Entnahme von Oberflächenwasser gemindert werden. Avebe hat die Bedeutung der Reduzierung und möglichst effizienten Nutzung der Wasserentnahme im strategischen Programm „Every Drop Counts“ verankert, das Teil des übergeordneten Programms „Plant-based Sustainable Growth“ ist. Das strategische Ziel für 2030 ist die Senkung der Salzemission, sodass die Wasserentnahme im Vergleich zum Jahr 2022/2023 um 4,8 Millionen Kubikmeter reduziert werden kann.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Um unsere Ziele zu erreichen, konzentrieren wir uns in erster Linie auf die Senkung des Salzgehalts im Abwasser. Wir arbeiten an der Umsetzung konkreter Pläne für jeden Produktionsstandort, meist produktspezifisch.
Standortspezifische Umsetzung
Für unseren größten Produktionsstandort in Ter Apelkanaal ist der Maßnahmenplan abgeschlossen, und wir befinden uns in der Mitte der Umsetzungsphase. Bei gleichbleibenden Bedingungen erwarten wir, dass die Wasserentnahme an diesem Standort bis zum Jahr 2027/2028 um etwa 2 Millionen Kubikmeter pro Jahr im Vergleich zum Referenzjahr 2022/2023 sinken wird. Für unseren Standort in Malmö wurde der Maßnahmenplan bereits gestartet. Eine quantitative Einschätzung der Auswirkungen ist derzeit noch nicht möglich.
Optimierung der Betriebsprozesse
Darüber hinaus konzentrieren wir uns weiterhin auf eine stabile Produktion, um die Wasserentnahme zu minimieren. Wir streben darüber hinaus zielführende Kooperationen zwischen unseren Produktionsstandorten an, um den Wasserbedarf zu senken.
Ziele und Umsetzung
Das zentrale Ziel ist die Reduzierung der Salzemission (insbesondere Chloride und Sulfate), sodass 4,8 Millionen Kubikmeter weniger Wasser benötigt werden als im Referenzjahr 2022/2023.
Im aktuellen Jahr betrug die gesamte Wasserentnahme 12,4 Mio. m³ - das sind 21,9 Prozent weniger als im Referenzjahr (15,9 Mio. m³). Diese Menge in Millionen Kubikmetern (Mm³) umfasst Trinkwasser, Quellwasser und Oberflächenwasser an den sechs Produktionsstandorten von Avebe. Der Rückgang der Wasserentnahme im Jahr 2024/2025 ist einerseits auf eingesetzte Einsparmaßnahmen (positiv) und andererseits auf eine Produktmixverschiebung zurückzuführen, die sich negativ auf die Gesamtaufnahme ausgewirkt hat.
6.4.5 Zirkuläre Restströme
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Wichtige Restströme bei Avebe sind Schlamm und Tara. Das Abwasser aus unseren Prozessen wird in Abwasserreinigungsanlagen behandelt, wobei Klärschlamm entsteht. Schlamm stellt derzeit einen Reststrom mit negativem wirtschaftlichem Wert für Avebe dar, hauptsächlich aufgrund möglicher Gehalte an Schwermetallen, die eine zirkuläre Nutzung einschränken und zu Entsorgungskosten führen.
Darüber hinaus gelangen bei der Anlieferung von Kartoffeln an unsere Fabriken unbeabsichtigt Erde, Laub und Steine mit - dies wird als Tara bezeichnet. Tara ist ein Abfallstrom, für den es schwierig ist, eine wertvolle oder kosteneffiziente Verwendung zu finden. Die zirkuläre Nutzung von Restströmen und die Senkung der Verarbeitungskosten bieten Avebe eine klare finanzielle Chance.
Strategie
Avebe produziert Restströme mit einem netto negativen wirtschaftlichen Wert. Unser Ziel ist es, Restströme möglichst zu vermeiden und durch Anwendungen mit maximalem ökonomischem und ökologischem Nutzen zu verwerten. Dies führt zur Minimierung oder Eliminierung des Einsatzes primärer (neuer) Rohstoffe und erhöht die Zirkularität von Avebe. Dies lässt sich anhand der niederländischen „Ladder van Lansink“-Systematik darstellen, die die umweltfreundlichsten Verwertungsmethoden von oben nach unten auflistet: Vermeidung, Wiederverwendung, Recycling, Energiegewinnung, Verbrennung, Deponierung. In unserer Strategie Stärken und Beschleunigen haben wir im Programm „Increasingly Circular“ folgende Ziele in Bezug auf Restströme festgelegt:
- Aufbau eines internen Berichtswesens zu „Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft“;
- Minimierung der Menge an Restströmen;
- Verbesserung der operativen Marge unserer Restströme.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Zunächst haben wir für die verschiedenen Restströme den netto negativen Wert für Avebe ermittelt und spezifische Ziele pro Reststrom definiert.
Schlamm: Berichterstattung und Düngemittelanwendung
Seit Januar 2025 steht für die niederländischen Standorte eine Schlammberichterstattung auf Basis von Produktionsdaten zur Verfügung, wodurch regelmäßig aktuelle Übersichten erstellt werden können. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde zudem weiter an der möglichen Nutzung von Schlamm aus der Agro-Food-Branche als Düngemittel gearbeitet. Avebe kooperiert dabei mit anderen Unternehmen der Branche, um zirkuläre Absatzmärkte zu entwickeln und die nachhaltige Verwertbarkeit von Restströmen zu erhöhen.
Tara: Forschung zur zirkulären Nutzung
Avebe führt Untersuchungen zur zirkulären Nutzung von Tara durch. Ziel ist es, diesen Reststrom zirkulär verwertbar zu machen. Durch die Verarbeitung von Tara und anderen Restströmen zu zirkulären Düngemitteln steigt Avebe auf der „Ladder van Lansink“. Dies trägt zur teilweisen Substitution von Kunstdünger bei. Zudem ist es für Avebe wichtig, die Absatzsicherheit dieser zirkulären Produkte zu erhöhen.
In kommenden Jahr werden neue Projekte zur Verbesserung der Qualität von Schlamm und Tara sowie zur Erweiterung des Absatzpotenzials gestartet.
Ziele und Umsetzung
Ziel ist es, Restströme mit negativem wirtschaftlichem Wert zu verwerten, um die Zirkularität bis 2030 zu erhöhen. Konkretes Ziel:
- 30 Prozent Kostenreduktion gegenüber dem Referenzjahr 2022/2023.
Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung zirkulärer Absatzmärkte für die wichtigsten Restströme.
Die folgenden Mengen wurden im Geschäftsjahr 2024/2025 erreicht:
- Gesamter Klärschlamm (Bruttogewicht in Tonnen): 72.124 Tonnen - das sind 30 Prozent weniger als im Referenzjahr 2022/2023 (103.041 Tonnen), hauptsächlich bedingt durch ein geringeres Produktionsvolumen.
- Tara (Prozentanteil Tara am Kartoffelgewicht): 4,5 Prozent - das sind 1,3 Prozent weniger als im Referenzjahr (4,6 Prozent). Die Wetterbedingungen während der Ernte haben großen Einfluss auf den Tara-Anteil.
6.4.6 Pflanzliche Produkte - Industrie-Märkte
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Der weltweite Wandel hin zu nachhaltigeren Produkten bietet Avebe eine einzigartige Chance, ihre Marktführerschaft im Bereich pflanzlicher Inhaltsstoffe für industrielle Anwendungen weiter auszubauen. Unsere Industriekunden stehen unter zunehmendem Druck durch gesetzliche Vorschriften und durch Endverbraucher, die verstärkt nach nachhaltigen Alternativen suchen, bei denen chemische Inhaltsstoffe möglichst durch natürliche ersetzt werden. Dank unseres einzigartigen Rohstoffs - der Kartoffel - und unserer umfassenden Anwendungskompetenz sind wir hervorragend positioniert, um auf diese Entwicklungen zu reagieren. Avebe entwickelt und liefert ein breites Portfolio pflanzlicher Produkte, die zur Nachhaltigkeit in der Bau- und Verpackungsindustrie beitragen. Diese Produkte sind vorzugsweise biobasiert und zirkulär und helfen unseren Kunden, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Dies stellt eine bedeutende Chance für Avebe dar.
Strategie
Unsere Strategie zielt darauf ab, den Mehrwert in der Bau- und Lebensmittelverpackungsindustrie zu maximieren. Dies erreichen wir durch gezieltes Wachstum in Volumen und Marge innerhalb dieser Segmente, wobei wir auf Nachhaltigkeitstrends reagieren und gemeinsam mit Kunden innovative Produktlösungen entwickeln. Im strategischen Programm „Targeted Industrial Growth“ setzen wir auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und Innovation als Grundlage für unser Wachstum. Der strategische Fokus liegt auf der Stärkung unserer Marktposition, der Beschleunigung der Produktentwicklung und der Verbesserung unserer operativen Effizienz.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Unsere Vorgehensweise basiert auf enger Zusammenarbeit zwischen Vertrieb, Marktentwicklung und Marketing. Die Aktionspläne umfassen:
- Business Development: Identifikation von Anwendungsbereichen, in denen Avebes Produkte und Expertise einzigartige Lösungen bieten.
- Co-Creation mit Kunden: Gemeinsame Entwicklung von Lösungen, die auf spezifische Kundenbedürfnisse und Marktnachfrage abgestimmt sind.
- Innovation und Nachhaltigkeit: Integration zirkulärer Prinzipien und biobasierter Produktentwicklung in unsere Prozesse.
Dieser Ansatz ermöglicht es uns, proaktiv auf Marktveränderungen zu reagieren und unsere Wirkung auf Mensch, Umwelt und Gesellschaft zu verstärken.
Ziele und Umsetzung
Für unsere pflanzlichen Lösungen im industriellen Markt streben wir bis zum Geschäftsjahr 2027/2028 ein Verkaufswachstum von 343 Prozent für die zwei wichtigsten Produkt-Markt-Kombinationen im Vergleich zum Referenzjahr 2022/2023 an.
Im Geschäftsjahr 2024/2025 haben wir eine Volumensteigerung von 46 Prozent gegenüber dem Referenzjahr erreicht.
6.4.7 Sicheres Arbeiten
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Sicherheit ist bei Avebe seit Jahren ein zentrales Anliegen. Wir möchten, dass alle Mitarbeitenden, Lieferanten und Besucher an unseren Standorten sicher arbeiten und gesund nach Hause gehen können. Dennoch kommt es zu Unfällen, die sich negativ auf die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden auswirken. Ein Mangel an Sicherheitsmaßnahmen birgt Risiken für Einzelpersonen und für Avebe als Ganzes. Die Folgen können Produktionsausfälle, Sanktionen, rechtliche Haftung und Reputationsverlust sein. Dies kann das Vertrauen in Avebe und ihre Produkte beeinträchtigen und sich negativ auf unsere Einnahmen auswirken.
Wir streben einen sicheren Arbeitsplatz an, um Risiken wirksam zu kontrollieren. Zudem steigt die Produktivität und Effizienz der Prozesse, wenn Mitarbeitende und Besucher gut über Sicherheitsregeln und -protokolle informiert sind.
Strategie
Sicherheit ist ein grundlegender Bestandteil unserer Strategie „Stärken und Beschleunigen“ und fest in unserer Unternehmensführung verankert. Wir streben eine Sicherheitskultur an, die auf Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Transparenz basiert. Unsere wichtigsten Ziele sind:
- Minimierung von Verletzungen und anderen Sicherheitsvorfällen;
- Sicherstellung der Kontinuität unserer Geschäftstätigkeit;
- Entwicklung authentischer Führung im Einklang mit den Kernkompetenzen von Avebe.
Unser übergeordnetes Ziel ist es, die Zahl der Vorfälle zu minimieren - idealerweise auf null.
Lesen Sie in Kapitel 4 mehr über unsere Strategie Stärken und Beschleunigen.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Verhaltensbasiertes Sicherheitsprogramm
Im vergangenen Jahr haben wir mit der Einführung eines verhaltensbasierten Sicherheitsprogramms in der gesamten Organisation begonnen, unter dem Titel „Life Saving Rules“. Diese Regeln beinhalten wichtige Vereinbarungen und Arbeitsweisen, bei denen Avebe keine Kompromisse eingeht. Das bedeutet, dass wir die Life Saving Rules immer befolgen - auch wenn es schwierig ist oder zu Produktionsausfällen führt. Wenn wir das tun, können Mitarbeitende und andere Personen, die an unseren Standorten arbeiten, am Ende des Arbeitstages sicher nach Hause gehen. Die Regeln existierten bereits, waren jedoch teilweise zu allgemein formuliert. Die strikte Einhaltung erfordert klare Anforderungen und die Beseitigung von Hindernissen, denen Mitarbeitende begegnen.
Sicherheitsschulungen
Für verschiedene Funktionen haben wir festgelegt, welche Schulungen notwendig sind, um sicher und verantwortungsvoll arbeiten zu können. Unsere Mitarbeitenden werden mindestens einmal jährlich zu Sicherheitsthemen geschult. Diese Schulungen bieten wir über unsere interne digitale Lernplattform an und sie sind verpflichtend. So stellen wir sicher, dass jeder Mitarbeitende mit dem nötigen Sicherheitswissen vor Ort arbeiten kann.
Digitale Arbeitserlaubnisse
Ein Bestandteil der „Life Saving Rules“ ist die Verbesserung der Qualität von Arbeitserlaubnissen. In einer Arbeitserlaubnis wird festgelegt, wie Wartungsarbeiten sicher durchgeführt werden können. In diesem Zusammenhang haben wir an allen niederländischen Produktionsstandorten ein digitales Arbeitserlaubnisverfahren eingeführt, das die papierbasierte Variante ersetzt hat. Der große Vorteil des digitalen Prozesses liegt in der verpflichtenden Workflow-Struktur mit Pflichtfeldern und der Nutzung von Checklisten, die je nach Tätigkeit automatisch eingeblendet werden. Neben dem verpflichtenden Charakter erleichtert dies unseren Mitarbeitenden die Arbeit. Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir speziell für diesen Bereich eine Schulung mit Theorie- und Praxisteil entwickelt. So wird die Brücke zur Praxis möglichst klein gehalten. Mittlerweile wurden rund 500 Mitarbeitende geschult.
Ziele und Umsetzung
Für das Geschäftsjahr 2024/2025 hat Avebe das Ziel gesetzt, einen Unfallfrequenzindex TRIFR (Total Recordable Injury Frequency Rate) von 0,7 zu erreichen. Der TRIFR ist ein internationaler Standard, basierend auf der Anzahl der Vorfälle pro 200.000 geleistete Arbeitsstunden an unseren Standorten. Dieses Ziel gilt für alle Mitarbeitenden von Avebe sowie für alle Personen, die an unseren Standorten tätig sind.
Der TRIFR-Wert im Jahr 2024/2025 betrug 1,1, leider deutlich höher als das Ziel und schlechter als im Vorjahr (0,9). Es gab keine tödlichen Unfälle. Allerdings ereignete sich am Standort Foxhol ein Unfall mit bleibender Handverletzung eines Mitarbeitenden. Die Mehrheit der Vorfälle betraf Handverletzungen durch Schnittwunden und Quetschungen. Analyse dieser Vorfälle zeigt, dass viele davon durch die Stärkung der Grundlagen, einschließlich der Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins, vermeidbar sind. Zum Beispiel durch die klare Kommunikation der Life Saving Rules.
6.4.8 Attraktiver Arbeitgeber
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Die Zusammensetzung der Belegschaft - heute und in Zukunft - ist entscheidend. Bei Avebe ist in den kommenden Jahren eine Alterung der Belegschaft zu beobachten, während gleichzeitig auf dem Arbeitsmarkt ein Mangel an Fachkräften in verschiedenen Berufsgruppen herrscht. Zudem verändert sich die Welt schneller denn je: Digitalisierung, künstliche Intelligenz (KI), Klimawandel, der „Kampf um Talente“ und der Wettbewerb um Ackerflächen erfordern Anpassungsfähigkeit.
Das Gewinnen, Entwickeln und Halten von ausreichend qualifiziertem Personal erfordert erhebliche Anstrengungen. Mangelnde Aufmerksamkeit hierfür kann zu einem Verlust der Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt und zu einer ineffizienten Organisation führen. Darüber hinaus haben wir als Arbeitgeber großen Einfluss auf unsere Mitarbeitenden. Unsere Wirkung liegt in der Schaffung eines inklusiven Arbeitsumfelds und der Förderung von Entwicklungsmöglichkeiten.
Strategie
Um Avebe als Organisation stark und zukunftsfähig zu halten, haben wir das übergeordnete strategische Programm „Stärkung der Organisation“ eingerichtet. Dieses Programm konzentriert sich darauf, eine Organisation zu gestalten, in der die Talente unserer Mitarbeitenden optimal genutzt werden. Es basiert auf vier Säulen:
- Effektive „Play to Win“-Führung, unterstützt durch ein integriertes Führungsentwicklungsprogramm, abgestimmt auf verschiedene Ebenen, mit individuellen Entwicklungsplänen und passend zur zukünftigen Organisationsstruktur;
- Effiziente und effektive Organisationsgestaltung mit den richtigen Personen an den richtigen Stellen, einschließlich Einblick in erforderliche Fähigkeiten und Kompetenzen;
- Die Avebe Academy als Lernplattform, in der Talentmanagement, Ausbildung, persönliche Entwicklung und Compliance-Anforderungen zusammenkommen;
- Ein Rekrutierungs- und Auswahlverfahren, das mit der zukünftigen Organisationsstruktur und unserer Diversitätsstrategie übereinstimmt.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Führungsentwicklungsprogramm
Ein Führungsentwicklungsprogramm wurde für Avebe entwickelt und umgesetzt, das sich auf persönliche Führung und Entwicklung konzentriert. Alle Führungskräfte, das Executive Committee (EC), das Leadership Team (LST), die Managementgruppe und alle Teamleiter in den Niederlanden nehmen daran teil. Das Programm basiert auf den fünf „Play to Win“-Kernkompetenzen von Avebe: reflektieren, umsetzen, verbinden, verändern und erneuern. Ziel ist es, authentische Führung zu stärken und „One Avebe“ zu fördern - auf verschiedenen Ebenen innerhalb der Organisation.
Avebe Academy
Im Jahr 2024 haben wir mit der Entwicklung und Einrichtung der Avebe Academy begonnen. Die Plattform wird in den kommenden Jahren mit praktischen Lernmodulen erweitert, die sich auf die fünf „Play to Win“-Kernkompetenzen konzentrieren und den Mitarbeitenden ermöglichen, ihre persönliche Entwicklung selbst zu gestalten. Angeboten werden Workshops, Schulungen, Praktika, spezielle Projekte und andere (Online-)Lernmöglichkeiten, die mit individuellen Entwicklungsplänen und funktionsbezogenen Lerninhalten verknüpft sind.
Strategische Personalplanung
Im Rahmen unseres strategischen Personalplanungsprozesses berücksichtigen wir die optimale zukünftige Struktur unserer Organisation. Ziel ist es, die Effizienz und Effektivität zu verbessern - operative Exzellenz. Treiber des Organisationsdesigns sind Digitalisierung/Automatisierung von Prozessen, die richtige Führungsspanne und die Notwendigkeit, unsere Organisation kontinuierlich zu verbessern. Kurz gesagt: eine Organisation, die bereit für die Zukunft ist - agil, effizient und nachhaltig.
Rekrutierungs- und Auswahlprogramm
Wir arbeiten an einem Rekrutierungsprogramm, das sich auf Karrierewege, soziale Kompetenzen und persönliche Entwicklung konzentriert, um die richtigen Arbeitskräfte und Führungskräfte der Zukunft zu gewinnen - im Einklang mit unserer erwarteten Organisationsstruktur. Zudem bringen wir unser Rekrutierungsprogramm in Einklang mit der Diversitätsstrategie und gestalten einen effektiven und zukunftsfähigen Rekrutierungsprozess.
Ziele und Umsetzung
Für das Geschäftsjahr 2024/2025 wurden folgende Ziele festgelegt:
- Netto-Durchschnitt beim Krankenstand: unter 5 Prozent
- Mitarbeiterzufriedenheitsumfrage (MTO): alle zwei Jahre mit einer Mindestbewertung von 7,5
- Pflicht-E-Learnings und Schulungen: 95 Prozent fristgerecht und vollständig abgeschlossen
- Frauen im Senior Management: mindestens 22 Prozent
- Umsetzung des Führungsprogramms: im Einklang mit unseren Werten, Kernkompetenzen und „Play to Win“-Verhaltensweisen
Ergebnisse im Geschäftsjahr 2024/2025:
- Netto-Durchschnitt beim Krankenstand: 5,5 Prozent
- MTO-Ergebnis: 7,2
- Pflicht-E-Learnings und Schulungen: 88 Prozent fristgerecht und vollständig abgeschlossen
- Frauen im Senior Management: 22 Prozent
- Umsetzung Führungsprogramm: Nach dem intensiven Führungsprogramm für alle Führungskräfte im Vorjahr wurde in diesem Jahr ein neues Programm entwickelt, das auf verschiedene Führungsebenen zugeschnitten ist - im sogenannten „Pick & Mix“-Modell. Dieses Programm wird im kommenden Jahr implementiert und allen Führungskräften angeboten.
6.4.9 Lebensmittelsicherheit
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Gesundheit und strengere Lebensmittelgesetze - oft zusammengefasst unter dem Begriff Lebensmittelsicherheit - nimmt seit Jahren zu. Auch wenn wir nicht direkt an Endverbraucher liefern, tragen wir eine große Verantwortung dafür, Produkte zu liefern, die den Qualitätsstandards und gesetzlichen Anforderungen zur Lebensmittelsicherheit entsprechen. Treten Probleme im Zusammenhang mit Lebensmittelsicherheit auf, hat dies negative Auswirkungen auf unsere Kunden und/oder die Umwelt. Qualitätsstandards, die nicht eingehalten werden, bergen Gesundheitsrisiken. Avebe ist durch interne und externe Audits nach FSSC22000 als lebensmittelsicherer Hersteller/Lieferant zertifiziert.
Strategie
Sicherheit bildet ein Fundament unserer Strategie Stärken und Beschleunigen und ist fest in unserer Unternehmensführung verankert. Wir streben eine Sicherheitskultur an, die auf Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Transparenz basiert. Unser wichtigstes Ziel im Bereich Lebensmittelsicherheit ist die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und Kundenanforderungen.
Lesen Sie in Kapitel 4 mehr über unsere Strategie Stärken und Beschleunigen.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Wir verfolgen den folgenden Ansatz, um unsere Lebensmittelsicherheitsstrategie umzusetzen:
Aufbau einer Lebensmittelsicherheitskultur
Avebe arbeitet kontinuierlich am Ausbau einer Lebensmittelsicherheitskultur. Diese geht über die bloße Umsetzung von Protokollen und Verfahren hinaus und betont die Integration einer Sicherheitsmentalität in den Arbeitsalltag und die Haltung der Mitarbeitenden. Eine starke Lebensmittelsicherheitskultur bedeutet, dass alle Mitarbeitenden sich verpflichtet fühlen, Lebensmittelsicherheitsstandards zu priorisieren und einzuhalten. Dies umfasst Hygiene, Sauberkeit und die Einhaltung festgelegter Regeln und Richtlinien. Die zentrale QESH-Organisation (Quality, Environment, Safety and Health) sorgt durch klar formulierte Verfahren und Arbeitsanweisungen für eine einheitliche Umsetzung.
Interne und externe Audits
Neben den jährlichen externen Audits zur Zertifizierung der Lebensmittelsicherheit setzt Avebe gezielt auf zusätzliche Kontrollen durch die interne Auditabteilung zur Einhaltung der Lebensmittelsicherheitsregeln.
Beschwerdeverfahren
Zur Sicherstellung der Produktsicherheit können Kunden ihre Anliegen über das Beschwerdeverfahren melden. Beschwerden im Zusammenhang mit Lebensmittelsicherheit werden im allgemeinen Beschwerdeprozess bearbeitet, aber als solche gekennzeichnet. Falls erforderlich, werden Korrekturmaßnahmen ergriffen und eine Rückmeldung an den Kunden gegeben. Untersuchungen erfolgen intern und - falls nötig - auch extern, um die Ursache zu ermitteln und geeignete Maßnahmen zu treffen.
Ziele und Umsetzung
Unser Ziel ist es, die Anzahl der Rückrufaktionen im Zusammenhang mit Lebensmittelsicherheit zu minimieren - mit dem Ziel: null Rückrufaktionen. Zudem möchten wir die Anzahl der wesentlichen Feststellungen bei externen Audits begrenzen - Ziel: null Feststellungen.
Im vergangenen Geschäftsjahr gab es keine Rückrufaktionen. Auch wurden bei externen Audits keine wesentlichen Feststellungen zur Lebensmittelsicherheit gemacht. Diese Ergebnisse bestätigen die Wirksamkeit unserer internen Sicherungsmaßnahmen und das Engagement unserer Mitarbeitenden für Lebensmittelsicherheit.
6.4.10 Pflanzliche Ernährung
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Der weltweite Wandel hin zu nachhaltigeren, nährstoffreicheren und natürlichen Lebensmitteln beschleunigt sich. In diesem Zusammenhang ist der pflanzliche Wandel eine zentrale Säule zur Reduzierung klimabezogener Emissionen. Für Avebe bedeutet dies nicht nur eine gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch eine strategische Chance. Als Genossenschaft von Stärkekartoffelbauern in den Niederlanden und Deutschland befinden wir uns im Zentrum dieses sich wandelnden Marktes. Mit Kartoffelstärke und -protein können wir einzigartige Eigenschaften bieten und unseren Kunden helfen, ihre Ziele zu erreichen, indem sie nachhaltige und pflanzliche Produkte für Verbraucher anbieten. Als Marktführer in der Herstellung von Kartoffelstärke und -protein trägt Avebe Verantwortung für die Beschleunigung des Wandels hin zu mehr pflanzlicher Ernährung. Mit unserer starken Basis und unserem Einfluss entlang der gesamten Wertschöpfungskette - vom Feld bis zum Kunden - sowie unserem Engagement für Nachhaltigkeit und Innovation sind wir ein starker Akteur in dieser Transformation. Wir sind stolz auf unsere Rolle bei der Förderung gesünderer, nachhaltigerer und pflanzlicher Ernährung und den positiven Einfluss, den wir damit erzielen.
Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen und erkennen daraus fortlaufend neue Chancen, um mit innovativen Lösungen und einer transparenten, nachhaltigen Lieferkette auf sich verändernde Marktbedürfnisse zu reagieren. Unser Engagement trägt zu einer gesünderen und nachhaltigeren Ernährung bei und damit zu einer zukunftsfähigen Lebensmittelversorgung.
Strategie
Innerhalb unserer Strategie Stärken und Beschleunigen sind zwei Programme speziell auf das Wachstum pflanzlicher Lebensmittelprodukte ausgerichtet:
- Good food++: konzentriert sich auf die beschleunigte Markteinführung unseres bestehenden Portfolios pflanzlicher Lebensmittelzutaten. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit (potenziellen) Kunden, wobei die gemeinsame Entwicklung im Mittelpunkt steht.
- New applications: fokussiert sich auf die Entwicklung neuer Anwendungsbereiche für Kartoffelstärke und -protein innerhalb der Lebensmittelindustrie. Damit erhöhen wir unsere Relevanz in neuen, vielversprechenden Marktsegmenten.
Vorgehensweise und Aktionspläne
In beiden Programmen wurden konkrete Produkt-Markt-Kombinationen definiert. Gemeinsam mit unseren Kunden arbeiten wir an nachhaltigem Wachstum durch die Entwicklung pflanzlicher Lösungen, die den funktionalen und ernährungsphysiologischen Anforderungen des Marktes entsprechen.
Ziele und Umsetzung
Wir möchten den Verkauf unseres Kartoffelproteins in bestehenden und neuen Anwendungen beschleunigen. Dabei konzentrieren wir uns auf eine optimale Mischung aus Kunden und Anwendungen. Wir bieten Lösungen, um Kunden beim Übergang zu pflanzlichen Produkten zu unterstützen. Unsere Ziele wurden in spezifische Wachstumsziele für Verkaufsvolumen und Deckungsbeitrag pro Produkt übersetzt.
Für unser Kartoffelprotein streben wir bis zum Geschäftsjahr 2027/2028 ein Verkaufswachstum von 151 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 2022/2023 an. Im Geschäftsjahr 2024/2025 blieb das Verkaufsvolumen stabil im Vergleich zum Referenzjahr - trotz eines starken Rückgangs der Nachfrage im Markt für pflanzliche Fleischalternativen.
6.4.11 Unternehmensethik
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Avebe steht für eine ehrliche und transparente Unternehmensführung. Das bedeutet, dass wir sorgfältig mit den Interessen und Rechten von Mitarbeitenden, Lieferanten, landwirtschaftlichen Mitgliedern, Kunden und unserer Umwelt umgehen. Eine passende Unternehmenskultur ist dabei entscheidend. Sie zeigt sich in unserer Rolle als verlässlicher Arbeitgeber, Lieferant und Partner und verleiht Avebe eine starke gesellschaftliche Position. Wir stehen auch für verantwortungsvolle Lobbyarbeit und den Kontakt zu lokalen und nationalen politischen Akteuren. Für uns sind ethisches Geschäftsverhalten und verantwortungsvolles Lobbying von großer Bedeutung. Eine gute Unternehmensethik bietet uns die Möglichkeit, uns positiv innerhalb unserer Branche zu unterscheiden. Ein Risiko besteht darin, dass Avebe nicht als Unternehmen wahrgenommen wird, das für ehrliches und transparentes Handeln steht.
Strategie
Die Genossenschaft ist bekannt für ihre transparente und demokratische Unternehmensform mit einer langfristigen Strategie. Daher wendet Avebe die Prinzipien und „Best Practices“ des Governance-Kodex des niederländischen Genossenschaftsrats an. Damit erhöhen wir die Transparenz und Qualität von Führung und Aufsicht innerhalb unserer Genossenschaft.
Ehrliches und integres Handeln mit Respekt für Mensch und Umwelt steht bei uns im Mittelpunkt. Dies lässt sich nicht allein in Verfahren und Richtlinien fassen. Deshalb setzen wir uns für eine Kultur des Respekts und Vertrauens ein, in der kein Platz für unerwünschtes Verhalten und unethisches Handeln ist. Wir kommunizieren unsere Werte aktiv und bieten Mitarbeitenden Kanäle für Fragen oder Meldungen.
Unsere Vorgehensweise umfasst unter anderem Schulungen, Vertrauenspersonen und Beschwerdeverfahren. Dies alles basiert auf einem soliden Fundament aus Richtlinien und Verfahren, die die Werte und Normen von Avebe definieren.
Corporate-Governance-Richtlinie
Unsere Organisationsstruktur, unsere Werte, Unternehmensprinzipien und Verhaltensnormen gegenüber Stakeholdern sind in unserer Corporate-Governance-Richtlinie festgelegt. Alle Verhaltenskodizes werden mit den Mitarbeitenden geteilt und sind auf unserer Website verfügbar.
SpeakUp- und Hinweisgebersystem
Avebe verfügt über ein SpeakUp-System, das allen die Möglichkeit bietet, schwerwiegende Verstöße anonym zu melden, wenn diese nicht auf anderem Wege gemeldet werden können. Dies ist telefonisch oder über eine gesicherte Website möglich - ohne Einschaltung eines menschlichen Vermittlers. Um die Vertraulichkeit zu gewährleisten, wird der SpeakUp-Dienst von einer unabhängigen externen Partei betrieben. Zusätzlich hat Avebe ein Hinweisgebersystem implementiert.
Responsible Sourcing Policy
Wir verfolgen eine verantwortungsvolle Einkaufspolitik, in der Anforderungen an unsere Lieferanten im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR) fest verankert sind. Dies ist aus unserer Sicht entscheidend für die Art und Weise, wie wir unsere Geschäfte führen. Verantwortungsvolles Einkaufen und Outsourcing sind zentrale Faktoren, die zu unserer CSR beitragen. Unsere Art des Wirtschaftens soll das Leben der Menschen in unserer Lieferkette verbessern und die Umwelt nicht unnötig belasten. Unsere Responsible Sourcing Policy (RSP) enthält die Richtlinien, denen wir folgen, und beschreibt die Verantwortung, die wir in der Lieferkette übernehmen. CSR ist integraler Bestandteil unserer Geschäftstätigkeit. Die RSP steht vollständig im Einklang mit unserem Corporate-Governance-Kodex. Wir verlangen von unseren Lieferanten, dass sie die darin enthaltenen Grundsätze einhalten.
Vorgehensweise und Aktionspläne
Schulungen zu ethischem Geschäftsverhalten
Mitarbeitende erhalten verschiedene Online-Schulungen zu verantwortungsvollem Geschäftsverhalten. Diese werden über unsere interne digitale Lernplattform angeboten und sind verpflichtend. Ein Beispiel ist die Schulung „Wettbewerbsrecht“, die sich mit dem Umgang mit Lieferanten, Wettbewerbern und anderen externen Partnern befasst.
Sanktionspolitik
Avebe verfügt über eine Sanktionspolitik, bei der täglich automatisiert alle Kunden und Lieferanten anhand aktueller internationaler Sanktionslisten überprüft werden.
Stakeholdermanagement und -engagement
Avebe engagiert sich vertritt durch Lobbyarbeit aktiv die Interessen für unsere landwirtschaftlichen Mitglieder und die Genossenschaft in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Energiewende und die Zukunft pflanzlicher Produkte. Unsere Bemühungen konzentrieren sich auf:
- Landwirtschaft: Avebe ist in der politischen Gestaltung und Regulierung der Landwirtschaft aktiv. Wir streben einen ausgewogenen Ansatz an, der sowohl die Interessen unserer Mitglieder und deren Einkommen als auch die Nachhaltigkeit unserer Produkte und der Landwirtschaft berücksichtigt - im Einklang mit nationalen und europäischen Zielen.
- Wasser: Avebe ist in der politischen Gestaltung und Regulierung im Bereich Wasser involviert. Dies betrifft sowohl die Wasserqualität (z. B. Nitrat- und Wasserrahmenrichtlinie) als auch die Verdrängungsreihenfolge und die Wasserverfügbarkeit an unseren Produktionsstandorten.
- Energiewende: Avebe unterstützt den Übergang zu erneuerbaren Energiequellen und arbeitet an effizienterer Energienutzung in ihren Prozessen. Wir verfolgen die Entwicklungen im Energiewirtschaftsgesetz und setzen Maßnahmen zur Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks entlang der gesamten Lieferkette um.
- Pflanzliche Zukunft: Als Hersteller von Kartoffelstärke und -protein tragen wir zur Umstellung von synthetischen und petrochemischen Produkten auf pflanzliche Alternativen bei. Avebe arbeitet dabei auch mit Wettbewerbern und Stakeholdern zusammen, um innovative Lösungen zu fördern - etwa im Programm „Fascinating“.
Eine Übersichtstabelle zu unseren Stakeholdern ist als Anhang enthalten, in der wir unser Engagement zu diesen Themen weiter erläutern.
Ziele und Umsetzung
Avebe strebt ein starkes Fundament für verantwortungsvolles Handeln und eine transparente Unternehmensführung an. Auch wenn dies schwer in konkrete und messbare Ziele zu fassen ist, verfolgen wir klare Verfahren für Meldungen über unsere Systeme. Wenn Meldungen eingehen, ist es unser Ziel, diese sorgfältig und angemessen zu bearbeiten.
Im aktuellen Geschäftsjahr wurde das Hinweisgebersystem nicht genutzt. Dies bestätigt das Vertrauen in unsere interne Kultur, unterstreicht aber auch die Bedeutung kontinuierlicher Aufmerksamkeit für Integrität und offene Kommunikation.
