
5.1 Strategie-Update | Flexibel und zielgerichtet
Interview mit Marleen de Rond-Schouten, Managing Director Agro & Strategy, und Chris Hollebek, Chief Commercial Officer
„Dafür darf man mich früh aufwecken: genügend Kartoffeln von guter Qualität in unseren Fabriken“, sagt Marleen, die die Gesamtverantwortung für die Rohstoffversorgung der Fabriken trägt. Während Marleen für die Rohstoffzufuhr zuständig ist, verantwortet Chris den Vertrieb. Chris: „In den letzten Jahren haben wir uns wirklich von einer produktgetriebenen zu einer marktorientierten Organisation gewandelt. Der Kundenbedarf steht jetzt im Mittelpunkt all unseres Handelns. Bei jeder Entwicklung stellen wir uns die Frage: Welches Problem lösen wir für den Kunden? Und warum ist die Kartoffel dafür die beste Lösung?“
Stärkung der Basis
Eine marktorientierte Strategie erfordert eine verlässliche Rohstoffbasis. Chris betont die Bedeutung einer stabilen Grundlage: „Ohne Rohstoffe hat man nichts zu verkaufen.“ Marleen ergänzt: „Im Anbaujahr 2024 konnten wir ausreichend hochwertige Rohstoffe verarbeiten. Für das kommende Jahr sehen wir eine weitere Zunahme der Liefermengen, insbesondere in Deutschland. Während andere Kulturen wie Getreide, Zuckerrüben und sogar Pommes-Kartoffeln stark im Preis schwanken können, bleibt Avebe ein verlässlicher und stabiler Partner im Anbauplan.“
Gemeinsam zu mehr Wert
Sowohl die Rohstoffzufuhr als auch der Absatz wurden im vergangenen Geschäftsjahr gestärkt. Innovation wurde dem Bereich Commerce zugeordnet. Das hat zur Bildung multifunktionaler Market-Business-Teams geführt, in denen Vertrieb und Innovation zusammenarbeiten, erzählt Chris. „Wir bewegen uns vom Rohstoffproduzenten zum Wertschöpfungspartner für den Kunden. Wir starten jetzt mit den Kundenbedürfnissen und durch diese Markteinblicke bringen wir uns mit Wissenschaft und Technologie ein.“
Dafür darfst du mich früh aufwecken: genug Kartoffeln in guter Qualität in unseren Fabriken

Neue Horizonte
„Es gibt nach wie vor Raum für radikal neue Ideen, aber wichtig ist, dass die meisten Innovationsaktivitäten nachweislich einen Mehrwert für den Kunden oder den Markt schaffen“, sagt Chris. Er erklärt, dass es bei Avebe drei Innovationsgeschwindigkeiten gibt: radikal, schrittweise und express. So hat Avebe in letzter Zeit erfolgreich modifizierte Stärken, zementfreien Fliesenkleber und pflanzliche Alternativen zu Gelatine in veganem Lakritz entwickelt. „In großen Volumenmärkten unterscheiden wir uns durch Qualität, Zuverlässigkeit und Liefersicherheit. In spezialisierten Märkten bieten wir den Kunden hingegen technische Unterstützung und maßgeschneiderte Lösungen“, erzählt Chris. „Unsere Innovationen sind somit nicht nur neuartig, sondern auch relevant und praktisch anwendbar.“
Stark für unsere Mitglieder
Avebe ist ein verlässlicher Partner - sowohl für Kunden als auch für die landwirtschaftlichen Mitglieder. Marleen betont, dass Landwirte mit einem stabilen Preis rechnen können, der jedes Jahr solide steigt. Marleen: „Landwirte profitieren von einer schnellen Auszahlung, gut organisiertem Verladen und Transport und erhalten Averis-Pflanzgut zu einem reduzierten Preis. Außerdem haben Avebe-Landwirte zuerst die Möglichkeit, die neuesten Averis-Sorten auf ihrem Betrieb einzusetzen. Averis arbeitet kontinuierlich an der Verbesserung der Resistenzen gegen (bodenbürtige) Krankheiten, der Ertragssteigerung und der Lagerfähigkeit. Unsere Landwirte können zudem auf Unterstützung durch den Agro-Außendienst und die Agro-Studiengruppen zählen. Schließlich liefern die Ergebnisse der Versuchsfelder und Demonstrationsflächen praktische Informationen über die neuesten Sorten und den Anbau von Stärkekartoffeln. Avebe ist nicht nur engagiert, sondern auch eine stabile Kraft in einem sich ständig wandelnden Umfeld.“
Zuverlässiger Wertschöpfungspartner
„Um als zuverlässiger Wertschöpfungspartner weiter zu wachsen, ist es entscheidend, dass die Fabriken zuverlässig arbeiten und konstant mit hochwertigen Produkten laufen. So wurde in Ter Apelkanaal in ein Projekt zur Reduzierung des Salzeinsatzes investiert. In Gasselternijveen laufen neue Dekanter und in Foxhol wurde durch funktionsübergreifende Zusammenarbeit eine Produktionslinie angepasst. Im KPW-Gebiet in Deutschland wurden elektrische Schlüsselkomponenten modernisiert und ein Weichwassersystem installiert. Mehrwert kann nur geschaffen werden, wenn der Fabrikpark in Bezug auf (Lebensmittel-)Sicherheit, Rohstoffe und Betrieb in Ordnung ist“, so Chris.
Drei Entwicklungsgeschwindigkeiten zur Erfüllung von Markt- und Kundenbedürfnissen:
- Radikal: Von Grund auf neu. Dies sind langfristige Projekte.
- Schrittweise: Schritt für Schritt verbessern - lernen und anpassen.
- Express: Im kleinen Maßstab testen und lernen. Danach ausrollen.
5.2 Weniger CO₂ und Strom, dafür 87 Millionen Liter Wasser eingespart
Interview mit Process Development Engineer Thomas Koetje und Projektmanager Johan Schonewille
„Solche großen Einsparzahlen inspirieren tatsächlich die Vorstellungskraft“, bestätigt Thomas, als er und Johan über die Installation von fünf neuen Fruchtwasserdekantern berichten. Beide sind nicht nur mit dem Ergebnis zufrieden, sondern auch mit dem Weg dorthin. „Unsere gesamte Produktionsstätte in Gasselternijveen basiert auf diesem ersten Prozessschritt. Wenn dieser stillsteht, steht alles still“, sagt Thomas. Johan ergänzt: „In Zusammenarbeit mit Engineering, Produktion und dem Lieferanten ist es gelungen, die Produktion einfach weiterlaufen zu lassen.“
Die neuen Dekanter haben eine spektakuläre Einsparung gebracht

Investition in den Ersatz
Die fünf Dekanter sind industrielle Zentrifugen, die feste Kartoffelbestandteile vom flüssigen Fruchtwasser trennen. Johan: „Während einer einjährigen Testphase haben wir zunächst mit einem neuen Dekanter gearbeitet. Engpässe wie Druckschwankungen oder instabiler Betrieb wurden in dieser Phase gelöst.“ Erst als dieser Dekanter stabil lief, wurden die weiteren vier installiert. Thomas: „Dieser Ansatz hat sehr gut funktioniert. Diese Vorgehensweise wird zur neuen Norm. Wo es möglich ist, testen wir zunächst an einem Ort und führen es dann vollständig ein.“
Einsparungen bei CO₂, Strom und Wasser
Die neuen Dekanter haben spektakuläre Einsparungen gebracht. Der Trockensubstanzgehalt wurde von etwa 40 Prozent auf 46 Prozent erhöht. Das bedeutet, dass das Fruchtwasser besser von festen Bestandteilen, Stärke und Fasern getrennt wird. Es bleiben so wenige feste Fasern im Fruchtwasser zurück, dass alle Zentrifugensiebe abgeschaltet wurden - das spart Energie. Zudem benötigen die Dekanter weniger Verdünnungswasser.
Pro Kampagne 87 Millionen Liter Wasser weniger benötigt
Insgesamt sparen die neuen Maschinen pro Kampagne 87 Millionen Liter Wasser ein! Dieses Wasser muss in der nächsten Prozessstufe nicht mehr auf über 100 Grad in der Verdampferanlage erhitzt werden. Auf jede fünf Kubikmeter Flüssigkeit werden über 1.000 Kilogramm Dampf eingespart. Johan: „Dann sprechen wir tatsächlich von großen Einsparzahlen - Zahlen, die die Vorstellungskraft inspirieren.“
Pro Kampagne sparen wir:
- 87 Millionen Liter Wasser
- 3,3 GWh Strom
- 1,5 Millionen Nm³ Gas
- 18 Kilotonnen Dampf
Royal Avebe auf dem Weg zur Klimaneutralität
Avebe strebt mit verschiedenen Nachhaltigkeitsprogrammen eine erhebliche Reduzierung der Umweltbelastung an. Ziel ist es, den Wasserverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu steigern, die Kreislaufwirtschaft zu fördern, Einkaufs- und Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten und Emissionen zu verringern.
Nachhaltigkeit ist ein Grundpfeiler unserer Strategie „Stärken und Beschleunigen“. Wir setzen uns dafür ein, unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern - im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen. Dies gilt sowohl für unsere eigenen Betriebsabläufe als auch für unsere Kunden. Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Kette: vom Anbau bei unseren Mitgliedern bis zur Lieferung unserer Produkte an den Kunden.
Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir an unseren Produktionsstandorten erneut bedeutende Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit erzielt. So wurden in Gasselternijveen neue Fruchtwasserdekanter in Betrieb genommen und in Foxhol wird derzeit eine Elektroboiler-Anlage installiert. Für das kommende Geschäftsjahr sind wichtige Nachhaltigkeitsprojekte an unseren internationalen Standorten geplant: In Lüchow (Deutschland) werden neue Protein-Dekanter installiert und in Malmö (Schweden) starten zwei umfangreiche Energieeinsparprojekte.
Lesen Sie mehr über unseren Ansatz und unsere Ergebnisse im ESG-Kapitel dieses Berichts.

5.3 PerfectaMAR® | Erfolgreiche Zusammenarbeit in der Proteininnovation
Interview mit Maarten Wilbrink, Spezialist für Prozessentwicklung und Proteinspezialist
Als weltweit einziger Hersteller gewinnt Avebe hochwertige funktionelle Nahrungseiweiße aus der Kartoffel. Eines dieser Kartoffelproteinprodukte eignet sich besonders gut, um die ursprüngliche Textur von Surimi zu erhalten. Das neue Produkt heißt PerfectaMAR® und wurde im eigenen Innovationszentrum entwickelt. Diese neue Anwendung entstand durch die Unterstützung eines südkoreanischen Professors, ein Surimi-Symposium und durch die Zusammenarbeit mit einer thailändischen Universität.
Die Einführung von PerfectaMAR® bietet starke Wachstumsmöglichkeiten auf dem asiatischen Markt
Surimi-Symposium & Forschungsgruppe
Maarten Wilbrink erklärt: „Eine südkoreanische Forschungsgruppe veröffentlichte Ergebnisse, in denen es gelungen war, eine Kartoffelproteinfraktion mit positiven Effekten auf die Surimi-Textur herzustellen. Gleichzeitig besuchte eine Kollegin das Surimi-Symposium in Thailand und traf dort Forscher einer thailändischen Universität. Diese halfen uns bei einer Folgeuntersuchung.“ Während die Universität die Wirkung auf die Fischtextur untersuchte, analysierte Avebe die biochemischen Eigenschaften des verwendbaren Kartoffelproteins.

Direkter Abnehmer
Zur gleichen Zeit besuchte ein indischer Surimi-Produzent das Innovationszentrum. „Surimi ist übrigens ein Sammelbegriff für gehacktes Fischfilet, aus dem Fischblöcke hergestellt werden - wie etwa die bei uns bekannten Krabbenstäbchen“, erklärt Maarten. „Der Produzent war so beeindruckt von der Anwendung, dass er das Produkt sofort abnahm“.
Dreißig verschiedene Schutzproteine
Maarten hat eine klare Vorstellung, warum PerfectaMAR® so gut ankommt: „Unser Proteinprodukt ist so rein, dass man von einem Isolat sprechen kann. Je reiner das Protein, desto besser die Funktionalität und desto besser bleibt die Fischtextur erhalten. Zudem enthält unser Kartoffelprotein bis zu dreißig verschiedene Schutzproteine - im Vergleich zu nur fünf in Hühnereiern.“ Diese Schutzproteine sorgen dafür, dass die Fischtextur auch bei Erhitzung erhalten bleibt.
Wachstumspotenzial in Asien
Die Einführung von PerfectaMAR® bietet starke Wachstumsmöglichkeiten auf dem asiatischen Markt, wo viele Surimi-Produzenten ansässig sind. Maarten: „Produzenten benötigen weniger Kartoffelprotein als tierisches Eiweiß, um dieselben funktionellen Ergebnisse zu erzielen. Das macht PerfectaMAR® nicht nur effektiver, sondern auch kosteneffizienter“.
Christina Widyawati von Sales Asia über PerfectaMAR®:
„Seit der Einführung auf der Messe Food Ingredients Asia 2024 in Indonesien wächst der Marktanteil von PerfectaMAR® stetig. Dank kontinuierlicher Forschung und Zusammenarbeit haben wir eine solide Basis geschaffen, die die einzigartigen Eigenschaften und den Mehrwert des Produkts sichtbar macht. Darüber hinaus ist es kommerziell attraktiv durch seine starke Texturleistung, Kosteneffizienz bei niedriger Dosierung und nicht-allergene Eigenschaften. PerfectaMAR® passt perfekt zu den langfristigen Zielen von Avebe in den Bereichen Innovation und Nachhaltigkeit.“
Innovationen in Kartoffelstärke: vielseitig einsetzbar, mit Wirkung
Neben der Proteininnovation PerfectaMAR® investiert Avebe kontinuierlich in die Entwicklung von Kartoffelstärke. Diese Innovationen tragen zu effizienteren Prozessen, nachhaltigeren Lösungen und pflanzlichen Alternativen bei. Zwei Beispiele für die Süßwarenindustrie:
Vitamin-Gums
Mit PerfectaGEL® bietet Avebe ein veganes Gelatine-Alternativprodukt für Hersteller von Vitamin-Gums. Es ist hygienischer in trockenen Anwendungen und spart durch verkürzte Trocknungszeiten Platz, Zeit und Energie.
Süßwaren
Für Produkte wie Lakritz, Weingummi und andere Süßwaren bietet PerfectaGEL® FS eine pflanzliche Alternative zu Gelatine. Die Trocknungszeit ist deutlich kürzer als bei Gelatine oder Pektin, was zu effizienteren Produktionsprozessen und geringeren Energiekosten führt.

5.4 Bereichsübergreifende Zusammenarbeit schafft Mehrwert
Interview mit Bas Gerrits, Director Product Line Management
„Eine stillstehende Produktionslinie kostet Geld. Jeder bei Avebe - von der Geschäftsleitung bis zur Produktion - versteht, dass eine Linie ausgelastet sein muss“, sagt Bas Gerrits. Er erklärt, dass jetzt der Moment gekommen sei, auch Wertschöpfung in die Produktionslinien zu bringen. Er nennt das Asset-Valorisation. Es ist ein nächster Schritt auf der strategischen Säule: Portfolio-Valorisation. Bas: „Im Rahmen dieser Asset-Valorisation haben wir eine Produktionslinie angepasst.“

Signifikanter Beitrag zum Wachstum des Kampagnenpreises
„Asset-Valorisation bedeutet, dass wir die Restströme bestehender Produktionsmittel und Materialflüsse optimal nutzen. Dadurch können wir schneller zwischen Produktmixen wechseln, die Linie wird vollständig ausgelastet und die Erträge werden maximiert“, erklärt Bas. Er berichtet, dass Derivate, die zuvor von einem externen Partner hergestellt wurden, nun von Avebe selbst produziert werden. „Wir nutzen die Produktionslinie besser, sichern die Qualität, senken die Kosten und stellen hochwertige Produkte nun selbst her. Insgesamt leistet dieses Projekt einen signifikanten Beitrag zum Wachstum des Kampagnenpreises.“
Wir machen den Unterschied, indem wir gemeinsam flexibel bleiben
Bereichsübergreifende Zusammenarbeit
Der Erfolg dieses Projekts ist ein gutes Beispiel für eine intensive bereichsübergreifende Zusammenarbeit zwischen unseren Bedienern, Qualitätsmitarbeitenden, Projektmanagern sowie Kollegen aus Vertrieb und Produktmanagement. Bas: „Die Kollegen haben eng zusammengearbeitet, um die Linie technisch anzupassen und Prozess- sowie Kontrollfunktionen zu erweitern. Ein solches Projekt verlangt von allen Beteiligten Engagement und Verständnis. Es ist entscheidend, die Menschen über die Notwendigkeit zu informieren. Wir machen den Unterschied, indem wir gemeinsam flexibel bleiben. Für mich ist das ein Paradebeispiel für Play to Win. Das ist ein großes Kompliment an alle.“
Ronny Pals, Site Director Avebe: „Es herrschte enormer Zeitdruck und es mussten mehrere Puzzleteile zusammengefügt werden. Dass das Projekt schließlich Erfolg hatte, ist wirklich ein Beispiel für Play to Win. Damit meine ich, dass wir während eines wirkungsvollen Projekts miteinander in Verbindung geblieben sind - über alle Disziplinen hinweg. Play to Win bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen und kreativ über den Tellerrand hinauszudenken, um am Ende gemeinsam Ergebnisse zu erzielen.“

5.5 Play to Win ist kein Slogan - es ist, wer wir sind

Interview mit Joyce de Vries-Pieterman, Director Communication & Public Affairs, und Renée Gosschalk-Harms, Director Acquisition & Development
„Ein Kulturwandel geschieht nicht über Nacht. Er braucht Zeit, Konsistenz und Engagement. Und das ist in Ordnung, denn echte Veränderung lässt sich nicht erzwingen“, beginnt Joyce. Sie erklärt, dass Avebe auf einer starken Basis aufbaut: „Wir machen bereits vieles richtig, und darauf dürfen wir stolz sein.“ In der Strategie wurde bewusst der Begriff Stärken gewählt: „Es geht darum, das zu stärken, was funktioniert. Wir fangen nicht bei null an. Im Gegenteil - wir haben bereits viel im Haus. Play to Win hilft uns, dieses Potenzial noch besser zu nutzen.“ Die Stärke von Avebe liegt in dem, was intern beeinflusst werden kann: die Kultur. Joyce: „In einer Welt, die sich ständig verändert, machen wir den Unterschied durch klare Kernwerte und Kernkompetenzen. Das verlangt von uns, dass wir agiler und unternehmerischer werden. Und ja, dabei dürfen wir Fehler machen - denn daraus lernen wir.“
In einer Welt, die sich ständig verändert, machen wir den Unterschied durch klare Kernwerte und Kernkompetenzen
Kulturwandel ist eine gemeinsame Verantwortung
Renée ergänzt: „Play to Win übersetzt unsere Kultur in konkretes Verhalten am Arbeitsplatz.“ Sie erklärt, dass dies die Beteiligung aller erfordert - sowohl neuer Kollegen als auch Mitarbeitender, die seit Jahrzehnten bei Avebe tätig sind. „Wir sehen, dass Kollegen überall in der Organisation Play to Win annehmen und auf ihre eigene Weise umsetzen. Die Flexibilität und das Botschaftertum machen den Unterschied.“ Botschaftertum muss nicht groß oder formell sein. Laut Renée liegt es in kleinen Dingen: eine Kollege, die Verbindung fördert, jemand, der Verantwortung übernimmt, oder ein Teammitglied, das anderen hilft, einen zusätzlichen Schritt zu machen. „Man muss nicht in allen fünf Kompetenzen glänzen“, erklärt Renée. „Jemand kann zum Beispiel stark im Verbinden sein und darin eine Vorbildrolle übernehmen. Das ist genauso wertvoll.“
Verhalten, das wir bewahren wollen
„Wir werden Dinge nicht völlig anders machen - wir werden sie besser machen. Gemeinsam. Zielstrebig und mit Stolz“, sagt Joyce. Renée ergänzt: „Die Play to Win-Bedeutung wird erst im Alltag greifbar und anwendbar. Und gleichzeitig wollen wir vieles bewahren - wie den Stolz, die Loyalität, die Lösungsorientierung und die bodenständige Mentalität, die Avebe auszeichnen.“
Vom Programm zur Selbstverständlichkeit
Die Ambition ist klar: Play to Win soll kein separates Programm bleiben, sondern ein selbstverständlicher Teil der Avebe-Kultur werden. Renée: „Wir nennen es jetzt noch Play to Win, aber in ein paar Jahren muss das vielleicht gar nicht mehr so sein. Dann ist es so tief mit unserer Identität verwoben, dass es keinen eigenen Namen mehr braucht. Wir sind überzeugt: Wachstum beginnt bei den Menschen.“

Diese Kernkompetenzen fließen unter anderem ein in:
- Verschiedene Avebe-Kommunikationsmittel, z. B. in unserer Arbeitgeberkommunikation und in Stellenausschreibunge
- Aufbau und Gestaltung von Bewerbungsgesprächen
- Auswahl- und Entwicklungsassessments
- Unsere HR-Gesprächszyklen im Jahresverlauf
- Programme zur Talententwicklung, Ausbildung und Schulung
- Funktionsprofile

5.6 Grenzüberschreitender Wissensaustausch im KPW-Gebiet
Interview mit Berater Albert Wolfs und Avebe-Mitglied und Landwirtin Clara Borm
Was können niederländische Landwirte von ihren deutschen Kollegen lernen? „Eine ganze Menge. Auch in Deutschland ist das Wissen sehr groß“, sagt Albert Wolfs, und seine Begeisterung ist sogar durch das Telefon spürbar. Er sitzt im Auto auf dem Rückweg aus dem KPW-Gebiet - einem Teil Deutschlands zwischen Hamburg und Hannover. Es ist einer der heißesten Tage des Jahres, und Albert hat mit einer deutschen Studiengruppe eine Versuchssilogrube im Feld ausgehoben: „Im KPW-Gebiet sind die Landwirte generell besser daran gewöhnt, mit Hitze und Trockenheit umzugehen.“

Jede Studiengruppe verfolgt dasselbe Ziel: höhere Erträge erzielen und Kosten senken
Höhere Temperaturen und weniger Regen
„Neben höheren Temperaturen bekommen die Landwirte in dieser Region auch deutlich weniger Regen - etwa 150 Millimeter pro Jahr. Anders als in den Niederlanden gibt es hier ein Bewässerungskontingent für zehn Jahre“, erklärt Albert. „Das erfordert strategische Entscheidungen: Welche Kulturen bekommen Wasser und welche nicht? Das sind wir in den Niederlanden gar nicht gewohnt.“ In seiner Studiengruppe ist derzeit eine Landwirtin, die mit Tröpfchenbewässerung experimentiert. „Letztes Jahr haben wir uns angeschaut, wie das funktioniert. Sie legt die Bewässerungsschläuche zwischen die Kartoffeldämme, und die ganze Gruppe schaut zu. Sie teilt ihre Erkenntnisse, und wir alle lernen daraus. Das ist großartig.“
Steine und ein weiter gefasster Anbau
Ein weiterer auffälliger Unterschied ist die große Menge an Steinen. Als Niederländer denkt man: „Räumt die Steine doch einfach vom Feld.“ Aber die Landwirte hier wissen, dass das Entfernen auch Nachteile hat. Die Bodenstruktur wird dadurch sehr fein, was die Wurzelbildung der Pflanzen verschlechtern kann. Laut Albert haben die Steine auch Vorteile: Bei heißem Wetter heizen sich die Dämme weniger stark auf.
Vor allem Gemeinsamkeiten
Albert betont, dass es vor allem viele Gemeinsamkeiten zwischen den deutschen und niederländischen Studiengruppen gibt. Alle Studiengruppen innerhalb von Avebe sammeln Daten auf dieselbe Weise. Feldbesuche werden mit Diskussionen über aktuelle Anbaufragen kombiniert. Jede Studiengruppe verfolgt dasselbe Ziel: höhere Erträge erzielen und Kosten senken. Alle sind offen, wissbegierig und begeistert vom Wissensaustausch. „So entsteht Erkenntnis und Verbindung über unsere Grenzen hinweg. Ich bringe Wissen mit, aber nehme auch immer etwas mit zurück. Wenn die Landwirte besser werden, werden wir gemeinsam besser - und Avebe auch. Das bereitet mir große Freude!“
Landwirtin Clara Borm lernt viel von der Studiengruppe
„Die Bonituren der Bestände durch Albert haben mir viel über Krankheiten und Schädlinge bei Kartoffeln beigebracht“, erzählt Clara Borm. Die 26-jährige Landwirtin lebt in Bismark in der Altmark (Sachsen-Anhalt) und bewirtschaftet gemeinsam mit ihrer Familie einen reinen Ackerbaubetrieb mit Silomais, Getreide und seit rund zehn Jahren auch Kartoffeln. Besonders schätzt sie den Austausch mit Berufskollegen in der Avebe-Studiengruppe: „Das regelmäßige Ausgraben von Boden- und Wurzelprofilen zeigt sehr anschaulich, wie wichtig gute Pflanzbedingungen sowie die Qualität und Konditionierung des Pflanzguts sind. Ich kann die Teilnahme an der Studiengruppe nur empfehlen - auch weil Albert als Begleiter immer den Praxisbezug wahrt.“

5.7 Averis Route 2030 | Kommerzielle Neuausrichtung und ein geschärfter Fokus
Ein Interview mit Martijn Zwinderman, Molekularspezialist, und Bastiaan Schoenmaker, Standortleiter von Averis
Die neue Route bedeutet sowohl eine kommerzielle Neuausrichtung als auch einen geschärften Fokus. Das berichten Bastiaan und Martijn in einem Gespräch über die neue Strategie von Averis, dem 100-prozentigen Tochterunternehmen von Avebe. Im Interview zeigt sich Bastiaan als Generalist, der über Strategie, Chancen und die Stärke des Averis-Teams spricht. Martijn hingegen ist der datengetriebene Spezialist, der direkt in die Inhalte eintaucht. Eine gelungene Kombination, die sich gut ergänzt.
Die Kraft der Innovation
„In den kommenden Jahren setzen wir auf funktionale Innovationen“, erklärt Martijn. Averis konzentriert sich weniger auf Grundlagenforschung und stärker auf praktische Anwendungen. „Wir setzen Technologien ein, um Eigenschaften wie Stärkegehalt, Lagerfähigkeit und Krankheitsresistenz bereits früh im Züchtungsprozess zu erfassen - unter anderem mit DNA-Technologie und statistischen Modellen. So entwickeln wir effizient Kartoffelsorten mit hohem Stärkeertrag und verbesserter Resistenz.“

Auch wenn wir natürlich stolz auf unsere hochresistenten Sorten sind, bin ich vor allem stolz auf das Team, das alles für Averis gibt
Dieses Team stärkt die Basis
„Auch wenn wir natürlich stolz auf unsere hochresistenten Sorten sind, bin ich vor allem stolz auf das Team, das alles für Averis gibt“, sagt Bastiaan. „Wir arbeiten effizient und effektiv zusammen, sind flexibel und motiviert. Alle sind bereit, Averis mit den bevorstehenden Veränderungen voranzubringen. Das Wissen und die Erfahrung aus 70 Jahren Averis verbinden sich mit den Ambitionen der Strategie Route 2030 und schaffen Möglichkeiten zur Expansion in neue Märkte und mit neuen Sorten.“
Expansion in andere Märkte
Die Averis-Strategie „Route 2030“ ist in Schritte unterteilt, erklärt Bastiaan. Der erste Schritt lautet: Mit dem aktuellen Stärkeportfolio ins Ausland gehen. Dänemark ist der erste Kandidat, weitere Länder folgen. Der zweite Schritt besteht darin, die Averis-Sorten für andere Anwendungen wie Flocken oder Granulat einzusetzen. Und der dritte Schritt ist die Entwicklung anderer Kartoffeltypen wie Pommes-kartoffeln, denn das ist weltweit der größte und am schnellsten wachsende Markt. Averis ist bereit, Schritt für Schritt seine Position in bestehenden und neuen Märkten zu stärken.
Jubiläum | 70 Jahre Averis!
Während der Stärkekartoffeltage in Valthermond feierten rund 500 Besucher das 70-jährige Bestehen von Averis. Mitglieder, Kollegen und Interessierte blickten nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Die Besucher besichtigten Versuchsfelder, Gewächshäuser und Labore. Der Tag war geprägt von Innovationen rund um Pflanzgut und die Kartoffelsorten der Zukunft.


5.8 Lebensrettende Regeln in der Praxis: trainieren, anwenden, stärken
Interview mit Robert-Jan Bannink, Director QESH
Sicherheit ist ein zentraler Bestandteil des gesunden Fundaments der Strategie „Stärken und Beschleunigen“. „Im Jahr 2023 haben wir mit den lebensrettenden Regeln begonnen. Das sind wichtige Sicherheitsregeln, die wir einsetzen, um Risiken zu minimieren und Unfälle zu vermeiden. Ein bedeutender Schritt hin zu einem sicheren und gesunden Arbeitsumfeld für alle, die bei Avebe arbeiten“, erklärt Robert-Jan Bannink.

Alles daransetzen, um die Sicherheit unserer Mitarbeitenden und Auftragnehmer zu gewährleisten
Klarheit darüber, was von wem zu tun ist
Eine dieser zehn lebensrettenden Regeln (Life saving rules) lautet: Ich stelle sicher, dass eine gültige Arbeitserlaubnis vorliegt, und ich halte mich stets an die Sicherheitsvorschriften. „Damit eine Maschine oder Anlage nicht eingeschaltet wird, während jemand daran oder darin arbeitet“, erläutert Robert-Jan. „Mit der Arbeitserlaubnis und dem bisherigen Verfahren war grundsätzlich nichts falsch, aber es war nicht immer klar geregelt, wer was wann tun musste. Auch die geforderten Maßnahmen waren nicht immer umsetzbar.“ Oft lag die Entscheidung bei den Mitarbeitenden, was notwendig war - „das wollen wir nicht mehr. Jetzt ist klar, was zu tun ist und wer was macht. Auch wenn etwas schiefgeht“, so Robert-Jan.
Von Kollegen für Kollegen
Es reicht nicht aus, neue Verfahren nur aufzuschreiben und zu präsentieren - man lernt sie durch praktisches Handeln. Robert-Jan berichtet, dass ein engagiertes Team von Kollegen Schulungsmaterial entwickelt und einen Trainingsbereich in einem leerstehenden Teil der Fabrik eingerichtet hat. Dort erhielten rund 500 Kollegen die Schulung zur Arbeitserlaubnis. Die praktische Aufgabe: Das Rührwerk im Reaktor für Wartungsarbeiten sicherstellen. Die Theorie aus dem Vormittag wurde am Nachmittag direkt angewendet. „Alle haben eine Arbeitserlaubnis ausgefüllt und den Reaktor physisch gesichert“, sagt Robert-Jan.
Auf dem Weg zu einer stärkeren Organisation
Robert-Jan war selbst als Trainer im Einsatz: „Beim Unterrichten hört man Dinge, die man sonst nicht hören würde. Mit diesen Informationen kann man etwas anfangen - das macht die Organisation stärker.“ Der nächste Schritt ist die konsequente Umsetzung der Verfahren und das Erleben der Regeln so, wie sie gemeint sind: „Alles daransetzen, die Sicherheit unserer Mitarbeitenden und Auftragnehmer zu gewährleisten.
