2.1 Bericht des Vorstands
Avebe hat ein gutes Jahr mit Blick auf den Anstieg des Kartoffelgeldes hinter sich. Betrachtet man die strategische Zielsetzung, haben wir größere Schritte gemacht als erwartet. Das stärkt das Vertrauen, sowohl in die Strategie als auch in das Potenzial des Unternehmens. Als "Ein Avebe” wurde hier hart gearbeitet. Dabei zählt nicht nur die Richtung, sondern vor allem die Umsetzung: Wir haben unsere Strategie Stärken und Beschleunigen effektiv und zielgerichtet in die Praxis umgesetzt. Insbesondere die erfolgreiche Umsetzung hat direkt zum Wachstum des Kartoffelgeldes beigetragen. Es ist entscheidend, dass wir diesen Fokus beibehalten und den Spielraum nutzen, um gemeinsam den nächsten Schritt hinsichtlich unseres Wachstums machen.
Steigerung des Leistungsindikators
Avebe schließt das Geschäftsjahr mit einem Leistungsindikator von 136,79 Euro pro Tonne Stärkekartoffeln ab. Das ist ein Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Das genossenschaftliche Ergebnis beträgt in diesem Geschäftsjahr 5,1 Millionen Euro. Wir holen immer mehr aus Avebe heraus. Zudem sehen wir positive Entwicklungen im Lebensmittelmarkt und setzen kontinuierlich auf Nachhaltigkeit. Auch die Effizienz und Zuverlässigkeit unserer Produktionslinien haben zugenommen. Wir erweitern den Einsatz unserer Technologien, Innovationen und unseres Wissens, um die Ertragskraft der Genossenschaft schneller zu steigern. Mit der Einführung der neuen Averis-Strategie setzen wir auch hier auf die kontinuierliche Verbesserung des Saldos im Stärkekartoffelanbau. Die Solvabilität liegt mit 36,5 Prozent etwas höher als im Vorjahr, wobei wir 40 Prozent anstreben. Der freie Cashflow ist wie im Vorjahr positiv, das Eigenkapital ist gewachsen und die Lagerbestände sind gesunken.
Wir erweitern den Einsatz unserer Technologien, Innovationen und unseres Wissens, um die Ertragskraft der Genossenschaft schneller zu steigern
Investitionen
Insgesamt wurden im Geschäftsjahr 2024/2025 60 Millionen Euro investiert. Der Schwerpunkt lag auf präventiven Erneuerungen, die gleichzeitig zu Wassereinsparungen und CO₂-Reduktionen führen, wie z. B. die Dekanter in Gasselternijveen. Es wurden auch substanzielle Investitionen in die IT getätigt und in die flexible Nutzung des Produktionsstandorts in Foxhol investiert. Mit der Genehmigung der Refinanzierung wurde zudem die finanzielle Position des Unternehmens weiter gestärkt.
Rohstoffversorgung und Verkaufsvolumen
Die Produktion von Kartoffelstärke ist in diesem Geschäftsjahr um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Diese Steigerung ist unter anderem auf die bessere Verfügbarkeit von Kartoffeln zurückzuführen, wodurch einige Produktionsstandorte länger betrieben wurden als erwartet. Dabei sprechen wir speziell über die Produktion von Nativ-Kartoffelstärke aus unseren Fabriken, da das gesamte Produktionsvolumen bei Avebe mehrere Produktströme umfasst. Das Verkaufsvolumen sank um 2 Prozent, ebenso die Netto-Umsätze.
Ausreichende Rohstoffe
Nach zwei Jahren des Rückgangs war die Rohstoffversorgung in diesem Geschäftsjahr gut abgesichert. Es standen ausreichend Stärkekartoffeln zur Verfügung, um unsere Produktion stabil laufen zu lassen. Für das nächste Geschäftsjahr erwarten wir eine Zunahme der Anbaufläche für Stärkekartoffeln. Um den Saldo des Stärkekartoffelanbaus insgesamt zu verbessern, wurde eine neue Averis-Strategie eingeführt. Diese Strategie zielt auf eine breitere Ertragskraft für Averis und ein stärkeres Wertversprechen für unsere Mitglieder ab. Das bedeutet nicht nur früheren Zugang zu spezifischen Sorten und günstigeren Pflanzgutpreisen, sondern auch konkrete Vorteile wie beispielsweise Hilfe bei der Logistik.
Start der Kampagne
Nach mehreren Jahren mit herausfordernden Erntebedingungen waren die Wachstums- und Erntebedingungen trotz eines späteren Starts der Pflanzsaison gut. Im August 2024 startete die Kampagne. Im deutschen Gebiet KPW verlief der Start reibungslos, in Dallmin wurde mit der Verarbeitung begonnen, Anfang September folgte dann das Lüchower Werk. In den Niederlanden hingegen hatte die Kampagne einen schwierigen Start. Durch einen Brand bei einem unserer Lieferanten war ein entscheidender Hilfsstoff nicht verfügbar, wodurch der Produktionsstart in Ter Apelkanaal zunächst verschoben werden musste, obwohl bereits Kartoffeln angeliefert wurden. Das Einkaufsteam musste in sehr kurzer Zeit eine Alternative finden und gleichzeitig mussten Anlagen umgebaut werden. Der Zeitdruck und die Belastung des Teams waren enorm. Dieser turbulente Start führte zunächst zu zusätzlichen Kosten und Qualitätsproblemen, aber dank gezielter Programme und des großen Einsatzes aller beteiligten Teams kehrte schnell Ruhe ein. Die Produktion lief anschließend stabiler und länger, auch weil mehr Kartoffeln verfügbar waren.
Nach zwei Jahren des Rückgangs war die Rohstoffversorgung in diesem Geschäftsjahr gut abgesichert
Stabile Produktionslinien
In diesem Jahr gab es keine Sorgen um die ausreichende Versorgung mit Kartoffeln. Bei ausreichender Versorgung verlagert sich die Aufmerksamkeit noch stärker auf die Stabilität, Flexibilität und Einsatzfähigkeit der Produktionslinien. Besonders die Stabilität bleibt ein wichtiger Punkt. Instabilität führt zu zusätzlichen Kosten und Druck auf die Qualität der Ergebnisse. Deshalb setzen wir verstärkt auf präventive Wartung und haben auch die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen weiter gestärkt. Auch im kommenden Jahr wird diesem Thema weitere Aufmerksamkeit gewidmet - mit dem Ziel einer stabilen, sicheren und hochwertigen Produktion.
Sicherheit an erster Stelle
Sicherheit ist und bleibt unsere oberste Priorität. Dennoch beobachten wir leider einen negativen Trend. Die Zahl der Vorfälle nimmt zu. Die Ursachen liegen nicht nur in Prozessen oder Technik, sondern auch im Verhalten und in der Kultur. In den vergangenen Jahren wurden bereits Schritte mit technischen Maßnahmen, Prozessstrukturen und Arbeitserlaubnissen unternommen. Die Fortsetzung liegt vor allem in einer weiteren Kultur- und Verhaltensveränderung, und trotz guter Fortschritte benötigt dies Zeit. Zeit, die wir in den kommenden Jahren investieren werden.
Nachhaltigkeit & Innovation
Obwohl das Gesamt-Produktionsvolumen leicht gestiegen ist, blieb der CO₂-Ausstoß nahezu auf dem gleichen Niveau. Eine der konkretesten Nachhaltigkeitsmaßnahmen ist der Austausch der zuvor genannten Dekanter, also industrieller Zentrifugen. Pro Kampagne werden dadurch 87 Millionen Liter Wasser eingespart. Der Gewinn von zwei Innovationspreisen ist eine schöne Anerkennung für diese Leistung. Die Zusammenarbeit mit Kunden zur Realisierung von kurzfristigen Innovationen gewinnt deutlich an Fahrt und bestätigt den Wandel des früheren “Produktpush” hin zu einem mehr kunden- und marktorientierten Innovations-Ansatz. Die Konversionsrate - also der Anteil konkreter Projekte, die tatsächlich zu neuem Geschäft führen - steigt von Jahr zu Jahr. Um diesen Kurs beizubehalten, ist es notwendig, die Innovationspipeline weiter auszubauen und die Durchlaufgeschwindigkeit unserer Projekte zu senken, damit noch mehr Initiativen erfolgreich skaliert werden können.
Geschlechterverteilung
Um die Ambitionen von Avebe zu verwirklichen und den Play to Win-Kernwerten gerecht zu werden, ist eine ausgewogene Geschlechterverteilung im Führungsteam von großer Bedeutung. Der Aufsichtsrat besteht zu 22 Prozent aus Frauen, ebenso das Leadership Team. Avebe strebt an, den Anteil von Frauen in der Organisation weiter zu erhöhen. Daher ist die Stärkung der weiblichen Vertretung in Führungspositionen ausdrücklich in der strategischen Agenda verankert. Es ist erfreulich zu sehen, dass wir seit Beginn unserer Strategie mit einem Plus von 7 Prozent auf dem richtigen Weg sind. Unser Ziel ist es, am Ende dieser strategischen Periode 30 Prozent Frauen in Führungspositionen zu haben.
2.2 Ausblick des Vorstands
Avebe ist ein Unternehmen mit außergewöhnlich großem Potenzial. In diesem Jahr gelingt es uns, dies noch mehr zu aktivieren als in den Vorjahren - und es steckt noch weiteres Wachstumspotenzial in der Pipeline. Dieses Wachstum können wir freisetzen, indem wir noch stärker als “Ein Avebe” zusammenarbeiten und unsere Strategie weiter umsetzen - gemeinsam mit unseren Anbauern, unseren Kunden und dem gesamten Avebe-Team.
In den letzten Jahren haben wir unsere Basis gestärkt, sodass wir nun beschleunigt in neue Segmente wachsen können
Flocken und Granulat über Solan
Das neue Geschäftsjahr startete direkt mit einem wichtigen Meilenstein: dem Erwerb des Kartoffelflocken- und Granulatherstellers Solan in Polen. Avebe ist nun zu 100 Prozent Eigentümer von Solan und erweitert damit sowohl sein Wissen als auch seine regionale Präsenz. Es ist das erste Mal seit Langem, dass wir durch eine Übernahme wachsen - das sorgt für positive Energie innerhalb von Avebe. Mit diesem strategischen Schritt erweitern wir unser Produktportfolio und können schneller auf neue Märkte und Kundenbedürfnisse reagieren. So beantworten wir auch die steigende Nachfrage nach Flocken und Granulaten. In den letzten Jahren haben wir unsere Basis gestärkt, sodass wir nun beschleunigt in neue Segmente wachsen können. Darüber hinaus bietet Solan großes Innovationspotenzial: Die Kombination aus lokalem Wissen, Produkttechnologie und Kundenorientierung passt hervorragend zu unserem Anspruch, Innovation zu beschleunigen und zu erweitern.
Marktdynamik
Trotz der zuvor genannten Volatilität und Unsicherheiten in den Märkten, in denen Avebe tätig ist, ist die Nachfrage derzeit stabil. Dennoch stehen wir im Anbaujahr 2025 vor einigen zusätzlichen Herausforderungen. Nach zwei Jahren Rückgang im Stärkekartoffelanbau sehen wir nun eine Stabilisierung in den Niederlanden und Wachstum in Deutschland. Auch außerhalb von Avebe nimmt die Anbaufläche zu, insbesondere in Skandinavien. In Kombination mit einer guten Ernte führt dies zu einem steigenden Angebot an Stärkekartoffeln. Gleichzeitig steht der breitere Kartoffelsektor in Nordwesteuropa unter Druck - durch extrem niedrige Preise, strukturelle Überschüsse und eine sinkende Nachfrage aus der Pommes-Frites-Industrie. Avebe verfolgt diese Entwicklungen genau, ebenso wie die wirtschaftliche und geopolitische Dynamik in Europa und darüber hinaus. Trotz dieser externen Unsicherheiten ist Avebe gut aufgestellt: Mit einem erweiterten Portfolio, einer soliden Basis und einer agilen Organisation sind wir besser positioniert, um Chancen zu nutzen und Herausforderungen zu meistern.
Kern der Strategie
Der Kern der Avebe-Strategie bleibt unverändert: der Wandel zu einer kunden- und marktorientierten Organisation mit mehr Unterscheidungsmerkmalen und Mehrwert. In den letzten Jahren wurden hier deutliche Fortschritte erzielt, wodurch die Abhängigkeit von Preisschwankungen bei Massenprodukten spürbar abgenommen hat. Das hilft uns in der aktuellen Marktdynamik.
Stärken und Beschleunigen
Das kommende Jahr steht im Zeichen der Beschleunigung. Wir schließen große Investitionen ab, wie z. B. eine neue Lebensmittelproduktionslinie in Ter Apelkanaal, und setzen die Digitalisierung und IT-Modernisierung fort. Intern bleibt Sicherheit unsere oberste Priorität, mit einem strukturellen Programm, das besondere Aufmerksamkeit erhält. So konzentrieren wir uns auf nachhaltiges Wachstum - sowohl durch Akquisitionen als auch durch interne Maßnahmen. Schließlich beschleunigen wir unser Wachstumspotenzial in neuen Märkten durch die Übernahme von Solan.
In einem herausfordernden Markt mit entsprechender Dynamik ist es wichtig, dass wir an unserer strategischen Ausrichtung festhalten
Fokus auf strategische Programme: Protein und biobasiert
Zwei Programme verdienen in nächster Zeit besondere Aufmerksamkeit: die Weiterentwicklung der bestehenden Proteinaktivitäten und biobasierte Rohstoffe für industrielle Märkte. Beim Thema Protein liegt der Fokus auf der Nutzung früherer Investitionen, um mehr Märkte und unterschiedliche Kundentypen zu erreichen. Erste positive Entwicklungen sind bereits erkennbar. Auch das Programm „Industrial Growth“ erhält neue Aufmerksamkeit, unter anderem weil sich die Erholung des Baumarktes in China langsamer vollzieht als erwartet.
Bewegung im Genossenschaftsmodell
Unser genossenschaftliches Modell bleibt in Bewegung. So haben wir unter anderem den Lieferrahmen um 20 Prozent erweitert, weil wir als Unternehmen gemeinsam mit unseren Mitgliedern auf Chancen reagieren wollen. Wir optimieren kontinuierlich das Gleichgewicht zwischen den Interessen des einzelnen Anbauers und dem maximalen Kartoffelgeld für alle unsere Mitglieder. Denn die Stärke von Avebe liegt eindeutig in unserem Kollektiv.
Gemeinsam Wert schaffen
In einem herausfordernden Markt mit entsprechender Dynamik ist es wichtig, dass wir an unserer strategischen Ausrichtung festhalten. Diese Ausrichtung zielt darauf ab, den Mehrwert für unsere Mitglieder schneller zu steigern. Das erreichen wir durch die weitere Umsetzung des Wandels zu einer kunden- und marktorientierten Organisation - einer Organisation mit mehr Unterscheidungsmerkmalen und Mehrwert. Gemeinsam, als "Ein Avebe”, bleiben wir ergebnisorientiert und zielgerichtet: mit einer soliden Rohstoffversorgung, mit der wir den größten Wert schaffen - für unsere Mitglieder, unsere Kunden und Avebe als Ganzes.
CEO David Fousert und CFO Rob van Laerhoven
