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Bericht des Vorstands

2.1 Bericht des Vorstands

In diesem turbulenten Jahr werden wir den Auszahlungspreis, den wir im vergangenen Jahr für Stärkekartoffeln erzielt haben, nicht erreichen. Aber wenn wir uns weiterhin als ein Avebe anstrengen, sind die Aussichten definitiv positiv. Als Royal Avebe befinden wir uns in einer Übergangsphase, in der wir die Schaffung von Mehrwert für unsere Mitglieder und Kunden beschleunigen wollen. In diesem Jahr geht es vor allem darum, Avebe zu fokussieren und zu stärken, damit wir das Wachstum mittelfristig beschleunigen können. In den vergangenen drei Jahren haben wir die Zahlungen an unsere Mitglieder stets erhöht. Und das ist absolut notwendig, um den Anbau von Stärkekartoffeln ausreichend attraktiv zu halten.

Zwei Treiber mit Auswirkungen auf den Preis

Wir haben dieses Geschäftsjahr dort begonnen, wo wir das vorangegangene beendet haben: in einem makroökonomischen Klima mit globaler Rezession, rückläufiger Verbrauchernachfrage und Preisdruck. Dadurch verringerte sich zum einen das Umsatzvolumen von Avebe. Der zweite Faktor, der sich auf den Leistungsindikator auswirkt, sind einige Einmal-Kosten, z.B. die Entscheidung, unser Geschäft in der Türkei an Brenntag zu verkaufen. Hier haben wir uns entschieden, die Bilanz zu stärken und den Fokus auf unsere Strategie zu richten. Gleichzeitig stärken wir unsere Position in der Region und konzentrieren uns darauf, durch die strategische Partnerschaft mit Brenntag einen größeren Mehrwert zu schaffen. 

Avebe schließt das Geschäftsjahr mit einem Leistungsindikator von 118,62 Euro pro Tonne Stärkekartoffeln ab. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückschritt. Das Ergebnis der Genossenschaft liegt in diesem Geschäftsjahr bei 2,6 Millionen Euro.

Als Royal Avebe befinden wir uns in einer Übergangsphase, in der wir die Schaffung von Mehrwert für unsere Mitglieder und Kunden beschleunigen

Eine gestärkte finanzielle Basis

Aufgrund der weltweiten Rezession und einiger Einmal-Kosten spiegeln sich die von uns erzielten Ergebnisse nicht direkt im Kartoffelgeld wider. Das Wachstum lässt sich jedoch in einer Reihe anderer Finanzkennzahlen wiederfinden. So hat sich beispielsweise die Solvabilität um 6,2 Prozent auf 36,4 Prozent verbessert, wobei wir 40 Prozent anstreben. Das Eigenkapital ist ebenfalls gestiegen, der Cashflow ist gesünder und sowohl die Forderungen als auch die Vorräte sind niedriger. Kurzum, eine bessere Bilanz, die sich mit dem erwarteten Renditewachstum in Form von Kartoffelgeld auszahlen sollte.

Kundenorientierung in Zeiten der Rezession

Obwohl die Verarbeitung von weniger Kartoffeln ein geringeres Produktionsvolumen und einen Rückgang des Verkaufsvolumens um 8 Prozent bedeutet, ist der Rückgang des Nettoumsatzes mit 3 Prozent sehr viel geringer. Relativ gesehen ist der Nettoumsatz weniger stark zurückgegangen als das Verkaufsvolumen, weil es uns immer besser gelingt, den Mehrwert von Avebe im Markt umzusetzen. In der neuen Wachstumsstrategie Stärken und Beschleunigen steht der Kunde im Mittelpunkt, und darin betonen wir den unverwechselbaren Wert unseres Produktportfolios. Das kaufmännische Team hat mehrere kaufmännische Prozesse verbessert und wir arbeiten intensiver mit den Kunden zusammen, um Lösungen für ihre Herausforderungen zu entwickeln. Dabei erhalten sie umfassende Unterstützung und Beratung durch unser Innovationszentrum.

Fortführung der Strategie | Stärken und Beschleunigen

In diesem ersten Jahr der Strategie Stärken und Beschleunigen sind wir stärker als ein Avebe zusammengewachsen und organisiert, und es ist bereits klar, dass die neue Strategie uns stärker und agiler macht. Dies ist u. a. auf einen klaren und transparenten Jahresplan, Führungsveranstaltungen, die Connection Talks, auch bekannt als die Kantinengespräche, und die professionellere Art der Kommunikation nach innen und außen zurückzuführen. Die neue Strategie wird auf allen Ebenen umgesetzt. Unsere Story findet Anklang. Wir sind zunehmend Teil der Lösung, sowohl für die Mitglieder, Kunden und Mitarbeiter der Landwirte als auch für die regionalen Partner, die nationale Politik und andere externe Interessengruppen.

Kostenbasis

Neben der Fokussierung auf Strategie und Umsatz haben wir uns im vergangenen Jahr auch ganz bewusst auf eine strukturell niedrigere Kostenbasis konzentriert. So haben wir beispielsweise eine jährliche Energieeinsparung von 1,1 Prozent erreicht. Diese Linie werden wir auch in den kommenden Jahren beibehalten. Wir haben Verpackungsmaterial und Transportkosten eingespart, außerdem ist die Kartoffelverarbeitungs-Kampagne flexibler und damit effizienter. Die Optimierung der Kostenstruktur ist ein fortlaufender Prozess, sowohl bei unserem Produktportfolio und den Handelsprozessen als auch bei der Kampagne und den Produktionsstätten.

Investitionen

Im Geschäftsjahr 2023/2024 wurden insgesamt 38 Millionen Euro investiert. Dabei haben wir uns darauf konzentriert, unsere Produktionslinien auf dem neuesten Stand zu halten, unsere Anlagen weiter zu automatisieren und die Effizienz zu erhöhen. Zusätzlich haben wir in die Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele investiert, die im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen 2030 stehen.

In diesem ersten Jahr der Strategie Stärken und Beschleunigen sind wir stärker als ein Avebe organisiert, und es ist bereits klar, dass die neue Strategie uns stärker und agiler macht

Innovationen und Nachhaltigkeit

Die Kosteneinsparungen gehen Hand in Hand mit mehr Nachhaltigkeit und der Verringerung unseres ökologischen Fußabdrucks. Die treibenden Kräfte hinter unserer Strategie sind Innovation und Nachhaltigkeit. Starke Entwicklungen sehen wir zum Beispiel bei den Verbesserungen im Wasserprogramm und der CO2-Reduzierung im Einkauf. Auch beim Produktportfolio und bei unserer Marktposition unternehmen wir die notwendigen Schritte. So werden unsere Produkte beispielsweise in biologisch abbaubaren Verpackungen und in pflanzlichen Lebensmittelalternativen verwendet. Für die Bauindustrie bietet unser Portfolio ebenso pflanzenbasierte Produkte. Wir dringen mit bestehenden oder neuen Produkten besser als erwartet auf neue Märkte. Oft mit deutlich höherer Wertschöpfung. Der Hauptgrund dafür? Wir entwickeln Anwendungen mit Blick auf die Bedürfnisse des Kunden und suchen stets den Dialog. 

Eine agilere Organisation

Dank des Engagements und des Vertrauens entwickeln wir uns fortwährend in Richtung einer unternehmerischeren und agileren Organisation. Wir stärken die Avebe-Organisation nicht nur in Bezug auf technische Fähigkeiten. Mit der Einführung eines Leadership-Programms wird beispielsweise auch die Entwicklung von Führungskompetenzen als Teil der Avebe-Kultur Play to Win stärker betont. Darüber hinaus konzentriert sich ein verhaltensbasiertes Safety-Programm auf die Sicherheit an den Produktionsstandorten, und unternehmensweit wird der Fokus auch auf digitale Sicherheit und Cybersicherheit gelegt. 

Geschlechterverteilung in Führungspositionen

Um die Ziele von Avebe zu erreichen und die Play-to-Win-Kernwerte des Unternehmens zu erfüllen, streben wir eine ausgewogenere Verteilung von Männern und Frauen im Management an. Dem Aufsichtsrat gehören 7 Männer und 2 Frauen an. Der Vorstand besteht aus 2 Männern und das Führungsteam aus 41 Männern und 10 Frauen. Avebe möchte die Zahl der Frauen im Unternehmen erhöhen, insbesondere in Führungspositionen. Unser Ziel ist es, mindestens 30 Prozent der Stellen mit Frauen zu besetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Erhöhung der Anzahl von Frauen in Führungspositionen Teil unserer Strategie. 

2.2 Ausblick des Vorstandes

Rohstoffversorgung steht im Mittelpunkt

Unsere landwirtschaftlichen Mitglieder haben ein außergewöhnlich schwieriges Erntejahr hinter sich. Aufgrund der nassen Erntebedingungen verblieben die Kartoffeln in einigen Parzellen sogar im Boden. Die Nässe hinterlässt strukturelle Schäden in den Böden und beeinträchtigt somit auch diese Anbausaison. Zusammen mit den sich ändernden Rechtsvorschriften, dem Klimawandel, dem zunehmenden Krankheitsdruck bei den Pflanzen und den steigenden Kosten verschärft dies den Wettbewerb auf dem Feld und übt Druck auf die Rohstoffversorgung von Avebe aus.

Die Landwirte können eine Kartoffelsorte wählen, die zu ihrem Boden, ihrer Betriebsführung und ihren Ertragsanforderungen passt

Averis entwickelt krankheitsresistente Sorten, die ein besseres Gleichgewicht schaffen

Unsere Tochtergesellschaft Averis ist ein Global Player in der Entwicklung, der Vermehrung und dem Handel mit Stärkekartoffelsorten. Es werden neue Sorten entwickelt, die krankheitsresistenter sind, höhere Erträge auf dem Feld liefern und widerstandsfähiger gegen Klimaveränderungen sind. Dank neuer Züchtungstechniken können wir unseren Mitgliedern immer schneller bessere Sorten anbieten. Die Landwirte können immer häufiger eine Kartoffelsorte wählen, die zu ihrem Boden, ihrer Betriebsführung und ihren Ertragsanforderungen passt. Auf diese Weise müssen sie weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen, während die Erträge optimiert werden. Mit anderen Worten: eine Verbesserung der Bilanz. Und gleichzeitig besser für die Umwelt.

Erwartete Investitionen

Für das kommende Geschäftsjahr werden wir die geplanten Investitionen von rund 60 Millionen Euro nutzen, um die Basis zu stärken und die Rendite zu maximieren. Wir werden weiterhin in neue Technologien und Verbesserungen unserer aktuellen Produktionslinien investieren, wie zum Beispiel in die GUM-Food-Linie am Produktionsstandort Ter Apelkanaal. Wir bauen auf dem bewährten Wert unseres Produktportfolios auf und gestalten unsere Produktionsprozesse noch nachhaltiger. Die geplanten Investitionen werden aus Eigenmitteln und bestehenden Finanzierungsrahmen finanziert. Nach dem Ende des Geschäftsjahres wurde mit einem Konsortium von Banken eine Vereinbarung über die Refinanzierung der revolvierenden Kreditfazilität für die kommenden Jahre getroffen. Weitere Einzelheiten sind im konsolidierten Jahresabschluss enthalten.

Zukunftsorientierte Organisation

Im Rahmen unserer Wachstumsstrategie setzen wir auf den nachhaltigen Einsatz unserer Mitarbeiter mit einer leicht verkleinerten Belegschaft. Dies wollen wir weitgehend durch natürliche Fluktuation erreichen, mit Fokus auf die Anzahl der Führungspositionen und in den unterstützenden Funktionen. Zudem werden wir die Geschäftsprozesse weiter automatisieren und noch effizienter gestalten. Die künftige Aufstellung und die damit verbundene Organisationsstruktur sind somit besser auf die Organisationsziele abgestimmt. 

Blick nach vorne

Während wir zu Beginn des Geschäftsjahres mit großen Herausforderungen konfrontiert waren, sind wir nun finanziell gestärkt, auch wenn wir den Aufwärtstrend bei den Kartoffelgeldern dieses Mal nicht halten konnten. Wir betonen, dass echter Wert und nachhaltiges Wachstum von unseren langfristigen und strategischen Partnerschaften ausgehen. Daher müssen wir in den kommenden Jahren schnellere und größere Fortschritte bei der Entwicklung des Kartoffelgeldes machen. Trotz der vielen Dynamiken auf globaler Ebene sehen wir derzeit auch positive Anzeichen. Die Märkte um uns herum erholen sich, und dank der Umsetzung unserer Strategie Stärken und Beschleunigen können wir schneller und effektiver darauf reagieren und neue Märkte erschließen. Wir werden den eingeleiteten Aufwärtstrend des Kartoffelgeldes mit einer klaren Perspektive für unsere landwirtschaftlichen Mitglieder fortsetzen - denn ihre Ertragskraft steht im Vordergrund. 

Wir werden den eingeleiteten Aufwärtstrend des Kartoffelgeldes mit einer klaren Perspektive für unsere landwirtschaftlichen Mitglieder fortsetzen - denn ihre Ertragskraft steht im Vordergrund

Jede Kartoffel zählt

Ja, es war ein schwieriges Jahr. Sowohl für das Avebe-Team, den Aufsichtsrat, den Mitgliederrat und natürlich für unsere landwirtschaftlichen Mitglieder und Kunden. Aber gemeinsam gemeisterte Herausforderungen führen zu den besten Teams mit kontinuierlich verbesserten Ergebnissen. Wir können nicht oft genug betonen, dass unsere Stärke in der Gemeinschaft liegt. Indem wir in diesem Jahr wichtige mittelfristige Entscheidungen getroffen haben, sind wir zukunftssicherer geworden. Wir steigern den Ertrag des Kollektivs schneller mit einer dauerhaft und verlässlich gesicherten Menge an Kartoffeln. Gemeinsam, als ein Avebe. 

CEO David Fousert und CFO Rob van Laerhoven